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Foto: RTL/Fotograf

In all diesem Strudel wäre es doch gar nicht so verkehrt, wenn man sich seine persönliche Komfortzone einrichtet?

Die Frage dabei ist: Was ist eine Komfortzone? Ist es diese Zone, in der ich sage: Also eigentlich würde ich mich gern verändern und eigentlich habe ich die und die Bedürfnisse, ich trau mich nur nicht, sie umzusetzen, aus Angst vor den Reaktionen anderer Menschen, vor meinen Kollegen, vor meinem Partner. Also lasse ich alles besser so wie es ist. So quasi nach diesem Einstein-Satz: Der Mensch hofft, dass sich etwas verändert, macht im Endeffekt dafür aber nichts. Das ist für mich keine Komfortzone, sondern eine Verhaltenszone. Und dann gibt es diese Zone, wo man sagt: Ich bin mit meinem Umfeld und der Art und Weise, wie ich lebe, im Großen und Ganzen zufrieden. Das ist eine Komfortzone, die ich super finde. Die beiden muss man unterscheiden.

Also ich zum Beispiel lebe in meiner persönlichen Komfortzone: Ich mache beruflich das, was ich immer machen wollte. Ich habe eine irrsinnig glückliche Partnerschaft, weil ich immer Wert darauf gelegt habe, dass meine Bedürfnisse mit denen meines Partners harmonieren. Und wenn man merkt, das funktioniert nicht, dass man dann auch die Kraft hat für sich zu sagen, nee, das hat keinen Sinn, da gehe ich einen Kompromiss ein, an dem ich zerbrechen werde, mit dem wir beide nicht glücklich werden. Das habe ich für mich in den letzten Jahren gelernt, dass das für mich kein Weg ist. Von daher lebe ich jetzt in einer Komfortzone, wo alles stimmt. Die wünsche ich jedem. Aber wie gesagt, diese Komfortzone, wo ich mich aus einer Angst heraus quasi ducke, die finde ich nicht erstrebenswert.

Wäre es für Sie eine Herausforderung, sich einmal für vier Wochen als Führungskraft zu versuchen?

Ja, natürlich. Das finde ich großartig.

Was glauben Sie: Ist diese Aufgabe innerhalb eines Konzerns oder in einem KMU leichter zu bewerkstelligen?

Hm, ich glaube es gibt sehr viele Schwierigkeiten, die auch bei unterschiedlicher Unternehmensgröße gleichbleibend sind. Aber einen echten Konzern zu leiten – oder vielleicht auch ein hohes Amt in der Politik auszuüben – das würde mich schon irrsinnig reizen. Ich glaube, dass die meisten Menschen ein völlig falsches Bild davon haben, wie so ein Job aussieht, wie diese Belastung aussieht und was man als Mensch für Eigenschaften braucht, um sich für einen solchen Weg zu entscheiden. Seien wir doch mal ehrlich, wenn wir uns Konzernchefs von Topunternehmen angucken, nehmen wir mal DAX-Unternehmen, dann standen die vor Jahren mal vor der grundlegenden Entscheidung, will ich Karriere machen oder möchte ich meine persönliche Komfortzone haben, wo ich glücklich bin mit meiner Frau und meiner Familie und einen netten Job habe, der mir dies alles ermöglicht?

Wenn man so ein großes Unternehmen, einen wirklich großen Konzern leitet, geht das meiner Überzeugung nach nicht ohne ganz viel Verzicht im privaten Bereich. Und das mal eine Zeit lang zu machen würde mich interessieren. Aber das dauerhaft zu machen, reizt mich überhaupt nicht.

Das wäre dann also ein Jenke-Experiment?

Ja, definitiv, ein hochspannendes. Wie gesagt auch gerne in der Politik. Wo man immer denkt, was machen die da bloß und wenn man sich ein bisschen näher damit auseinandersetzt merkt, welche Intentionen dahinter stecken und wie oft die Diplomatie die Vernunft quasi in die Knie zwingt. Wie komplex das alles ist und wie alles zusammenhängt und wie es im Endeffekt doch alles wieder nur wirtschaftliche Interessen sind, die weltweit die Politik bestimmen. Da würde ich gerne mal richtig eintauchen und eine Zeit lang von berichten.

Was war denn bislang der schlimmste Job, den sie übernommen haben?

Ich habe etwa 50 verschiedene Jobs gemacht in den letzten Jahren als ich noch die Rubrik hatte „Jenke als…“ Dabei habe ich keine Aufgaben gescheut, die körperlich irrsinnig anstrengend werden. Ich habe zum Beispiel den Kohlenschlepper in Berlin gemacht. Das ist ein Mann, der das Kleinunternehmen seines Großvaters vom Vater übernommen hat und wirklich noch mit Körperkraft pro Ladung so 90 bis 100 Kilogramm Kohlenbriketts oder Eierkohlen in die Keller oder die erste Etage der Berliner Altbauten schleppt mit einer Stiege. Das habe ich einen Tag lang gemacht. Das war vom Kraftaufwand her die bislang anstrengendste Arbeit.

Oder in Indonesien war ich in einer Schwefelmine, wo man kilometertief über diesen brodelnden giftigen Schwefeldämpfen den erstarrten Schwefel aus der Erde hackt und viele Kilometer durch den Wald zur Verkaufsstelle befördert. Doch mit solchen körperlichen Extrembelastungen komme ich zurecht. Der härteste Job für mich persönlich war ein Job in Bangkok: Zwei Tage lang war ich einer der sogenannten Seelensammler. Das sind zwei, drei Organisationen auf Freiwilligenbasis, die Unfallopfer auflesen, um sie in die Krankenhäuser zu bringen, weil das thailändische Gesundheitssystem so ausgerichtet ist, dass der Notarzt nur kommt, wenn sicher ist, dass die Rechnung auch bezahlt wird. Es gibt in den ländlichen Regionen aber viele Menschen ohne Krankenversicherung und die bleiben dann einfach auf der Straße liegen. Die Seelensammler fahren immer einen Wettkampf gegen die Zeit. Schaffen sie es rechtzeitig, diese Schwerstverletzten und oft schrecklich entstellten Menschen aufzusammeln und ins Krankenhaus zu bringen? Denn sind sie erst dort, müssen sie auch behandelt werden. Meist schaffen sie es aber nicht. Das habe ich zwei Tage und zwei Nächte begleitet und infolge dessen auch viele Verkehrstote gesehen und angefasst. Das war für mich psychisch der schlimmste Job.

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