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Vielfalt als Erfolgsfaktor – Warum die digitale Transformation nur mit bunten Teams gelingt

Gastbeitrag Johannes Weidl von INQA zum Thema Vielfalt als Erfolgsfaktor

Quelle: Fotoagentur FOX/Uwe Völkner; Ute Gräske; DGUV/Katja Nitsche

Unsere Gesellschaft ist immer mehr geprägt von Vielfalt. Das betrifft Menschen, Lebensformen und Arbeitsweisen. Es sollte daher doch eigentlich kein Problem darstellen, diese Lebensrealität auch auf die Arbeitswelt zu übertragen – oder etwa doch? Denn wer erkennbar zu einer Minderheit gehört, bekommt oft schwerer einen Job. Mit einem Check können Betriebe nun Hürden senken, um die Potenziale einer vielfältigen Belegschaft zu erkennen und zu nutzen.

Wer sich in Zeiten von Globalisierung, demographischer Wandel, Personal- und Fachkräftemangel bestimmten Personengruppen gegenüber verschließt, verschenkt ökonomisch betrachtet ein großes Potenzial. Denn Wertschöpfungsketten und auch die Kunden werden immer internationaler, neue Perspektiven sind gefragt. Diversity umfasst alles, was uns als Menschen ausmacht: persönliche Eigenschaften wie Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Identität, Behinderung, ethnische Herkunft oder Nationalität sowie Erfahrung, Weltanschauung oder Religion, ebenso wie Bildungs- und Wissensstand. Damit ist jede Organisation bereits vielfältig – Vielfalt ist bereits heute Normalzustand.

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Vielfalt ist kein “Schönwetterthema“, sondern ein Erfolgsfaktor. Wer sie bewusst einbezieht, kann neue Marktsegmente und Kundenzielgruppen erkennen und bedarfsgerechte Angebote entwickeln. Unterschiedliche Blickwinkel und Fähigkeiten der Beschäftigten können wahrgenommen und ihnen gleiche Chancen geboten werden. So werden Motivation und Zufriedenheit gefördert sowie ein Vorsprung bei der Personalgewinnung und -bindung erlangt.

Studien wie “Delivering Through Diversity“ von McKinsey wiesen einen statistischen Zusammenhang zwischen Vielfalt im Unternehmen und überdurchschnittlicher ökonomischer Performance nach. Demnach steigern heterogene Teams die Produktivität, können die Weiterentwicklung etablierter Prozesse fördern und schützen Unternehmen vor Stillstand. Dies ist unabdingbar für eine erfolgreiche digitale Transformation.

Vielfalt ist ein Wettbewerbsvorteil, den es zu nutzen gilt

Unternehmen profitieren also von einer bunten Belegschaft. Denn Innovationen entstehen vor allem dann, wenn unterschiedliche Herangehensweisen, Erfahrungen und Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Insbesondere die Zusammensetzung eines Teams hinsichtlich der Herkunftsländer seiner Mitarbeiter wirkt sich positiv auf die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens aus. Beispielsweise verfügen Mitarbeiter verschiedener Herkunft über kulturell spezifisches Wissen, erfassen und lösen Probleme aufgrund dieser Prägung unterschiedlich und verfügen nicht zuletzt oftmals über eine höhere Risikobereitschaft. Ein vielseitig aufgestelltes Team ist dann in der Lage, eine Herausforderung aus vielen Perspektiven zu durchdringen und so zu besseren Ergebnissen zu gelangen. In Unternehmen kann das zu höherer Kreativität und damit zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen führen (siehe Boston Consulting Group 2017).

Innovationen entstehen vor allem dann, wenn unterschiedliche Herangehensweisen, Erfahrungen und Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Klick um zu Tweeten

Die Zusammenstellung vielfältiger Teams ist dabei Führungsaufgabe. Die Kulturstudie „Führungskultur im Wandel“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit des Bundesarbeitsministeriums für Arbeit und Soziales bestätigt: Diversität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, der mittlerweile auch im Bewusstsein von Führungskräften angekommen ist. Zur Unterstützung gerade von kleinen und mittleren Unternehmen hat das RKW-Kompetenzzentrum zusammen mit sechs Partnerorganisationen den INQA-Check „Vielfaltsbewusster Betrieb“ (www.inqa-check-vielfalt.de) entwickelt. Dieser unterstützt Betriebe dabei, die Potenziale einer vielfältigen Belegschaft zu erkennen und zu nutzen. Das Instrument zeigt konkrete Handlungsfelder in Bezug auf die vielfältigen Blickwinkel und Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf und gibt mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis Anregungen für die Umsetzung. Konkret deckt der Check unterschiedliche Bereiche ab – von der Strategie bis hin zur praktischen Arbeitsorganisation – und gibt so Hinweise zur Ansprache, Rekrutierung und Integration von Arbeitskräften wie Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderung, älteren Menschen oder hochsensiblen. Wichtig dabei: Vielfalt ist mehr als die Summe von Merkmalen, sondern ein Querschnittsthema. Deshalb blickt der Check nicht starr auf einzelne Dimensionen, sondern richtet sich konkret an Arbeitsprozessen und -situationen aus.

Diversität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, der mittlerweile auch im Bewusstsein von Führungskräften angekommen ist. Klick um zu Tweeten

Damit Betriebe Vielfalt als Erfolgsfaktor nutzen können, braucht es eine offene Unternehmenskultur, die einen respektvollen Umgang voraussetzt, verschiedene Meinungen und Standpunkte erlaubt und Widerspruch zulässt. Dabei sollte Vielfalt Teil der gelebten Unternehmenskultur sein, also in allen Prozessen sowie Bereichen mitgedacht werden und kein besonderes Programm darstellen. Das Bewusstsein für diese Notwendigkeit muss aber an manchen Stellen noch geschaffen werden, denn bisher steht bei der Digitalisierung der Arbeitswelt meist nur der technische Fortschritt im Mittelpunkt.

Damit Betriebe Vielfalt als Erfolgsfaktor nutzen können, braucht es eine offene Unternehmenskultur, die einen respektvollen Umgang voraussetzt, verschiedene Meinungen und Standpunkte erlaubt und Widerspruch zulässt. Klick um zu Tweeten

Doch jetzt einfach schnell Diversity auf eine Folie zu schreiben, ist das eine. Wenn es funktionieren soll, muss man das auch vorleben, müssen Manager nicht nur andere Typen einstellen und fördern, sondern bereit sein, sich selbst zu hinterfragen und Kritik anzunehmen. Die vertiefende Praxishilfe zum Thema „Vielfaltsbewusste Führung“ setzt genau hier an, denn mit der Einstellung eines vielfältigen Teams ist noch keine Wunderlösung vollbracht. Vielfalt muss eine Grundhaltung werden, damit sie voll zum Tragen kommt und alle davon profitieren. Unternehmen, die den Wandel erfolgreich bewältigen wollen, sollten die Wertschätzung von Vielfalt zu einem Kernbestandteil ihrer Unternehmenskultur machen. Die Arbeit fängt damit also erst an – aber sie lohnt sich.


Über den Autor:

Autorenbild Johannes WeidlJohannes Weidl arbeitet als Projektleiter im Fachbereich Unternehmensentwicklung und Fachkräftesicherung beim RKW Kompetenzzentrum, einer gemeinnützigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e.V. Im RKW Kompetenzzentrum arbeiten Experten mit und für kleine und mittlere Unternehmen an Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft – beispielsweise zu „Vielfalt im Betrieb (Diversity)“.

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1 Comment

  1. Sehr guter Ansatz. Bin auch Ihrer Meinung. Ich hoffe, man trifft sich auf der Messe.
    LG Gerald Häfele
    http://www.trainer.de/gerald-haefele

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