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Angestellte werden für ihre Ergebnisse bezahlt, nicht für ihre Anwesenheit

Gastbeitrag Jutta Rump von INQA zum Thema flexible Arbeitsmodelle

Quelle: unsplash

Das Kind in Ruhe zur Kita bringen und abends noch von zu Hause arbeiten: Flexible Arbeitszeitmodelle sind gerade in aller Munde – und klingen aus Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmersicht zunächst sehr attraktiv. Schließlich lässt sich Privates und Berufliches damit besser vereinbaren. Für Unternehmen ist die Flexibilisierung der Arbeitszeit jedoch ein schwieriges Thema. Es ist einfacher und billiger, zu sagen: „Alle kommen von acht bis fünf“, statt individuelle Lösungen zu entwickeln. Um aber qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig an sich zu binden und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, müssen Unternehmen umdenken und flexiblere Modelle ermöglichen.

Mobiles Arbeiten, Jobsharing, flexible Arbeitszeiten – all das ist nicht kostenneutral, lohnt sich aber. Unternehmen benötigen neue technische Ausstattung für die mobilen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und beim Jobsharing braucht man eher 1,2 Stellen als zwei halbe. Die Individualisierung kostet also. Bei der Kosten-Nutzen-Kalkulation muss allerdings besonders die Nutzen-Seite betrachtet werden. Klare Mehrwerte für Unternehmen ergeben sich durch die Produktivitätssteigerung, die Senkung der Krankenrate und die Möglichkeit, dass Mitarbeitende ganz andere Ideen entwickeln als in einem starren Regelkorsett.

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Für viele Angestellte klingt die Möglichkeit zu arbeiten, wann und wo sie wollen, wie ein Traum: Der Arbeitstag muss nicht mehr linear strukturiert sein, sondern soll sich an die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anpassen: Morgens zwei Stunden E-Mails beantworten, das Kind in die Kita bringen, vier Stunden am Projekt arbeiten, Mittagessen, Meeting per Skype, das Kind abholen und beschäftigen, abends zwei Stunden konzentriert arbeiten. Gerade junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen sich eine flexiblere Gestaltung ihrer Arbeitszeit, was oftmals mit einer Steigerung ihrer Motivation einhergeht.

Was zunächst nach mehr Souveränität und Freiheit klingt, kann auch zur Herausforderung werden. Nicht selten verschwimmen durch die Flexibilität die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben, die eine ausgewogene Work-Life-Balance nicht mehr möglich macht. Zusätzlicher Treiber ist die Digitalisierung: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen nicht mehr alle zur selben Zeit im Büro sein, sie können jederzeit von überall aus arbeiten. Wer jedoch arbeiten kann, wann er will, macht das häufig rund um die Uhr. Doch nur weil die Möglichkeit besteht, von überall zu arbeiten, sollte nicht dauernd und überall gearbeitet werden. Anderenfalls droht die Ausbeutung – durch selbst gemachten Druck oder durch Vorgesetzte.

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„Flexibel“ sollte nicht „grenzenlos“ bedeuten. Zwar sind die Chancen flexiblen Arbeitens immens, erfordern aber auch viel Eigenverantwortung, eine gewisse Entscheidungskompetenz, bestimmte Aufgaben zu schieben oder wegzulassen und den Mut, Vorgesetzten mitzuteilen, wann ihr Zeitkonto für den Tag voll ist.

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Generell ist es aber nur noch eine Frage der Zeit bis sich flexible Arbeitszeitmodelle weitläufig durchsetzen werden, da Angestellte für ihre Ergebnisse bezahlt werden und nicht für ihre Anwesenheit im Unternehmen. Dies gilt jedoch nur für diejenigen, die hauptsächlich am Computer arbeiten. Denn beim mobilen Arbeiten existieren klare Grenzen, innerhalb derer die skizzierten Arbeitsformen nur bedingt möglich sind. Krankenschwestern und Krankenpfleger müssen dort arbeiten, wo der Patient ist. Aber Dienstpläne und Berichte müssen nicht zwingend auf der Station ausgefüllt werden. In vielen Berufen wird es im Rahmen der betrieblichen Gegebenheiten Möglichkeiten geben, den Wünschen der Mitarbeitenden nach Flexibilität entgegenzukommen.

Zunächst ist es jedoch notwendig, dass Unternehmen die Rahmenbedingungen und Maßnahmen für eine flexible Arbeitszeitgestaltung schaffen. Die frei verfügbare Arbeitszeitbox der INQA-Initiative bietet dazu Erfahrungen aus Betrieben sowie bereits existierende Instrumente und Konzepte zum Thema Arbeitszeit praxisgerecht an. Speziell KMU werden durch das INQA-Projekt ZEITREICH unterstützt, innovative Zeitmodelle zu erproben und einzuführen. Der konsequente quantitative und qualitative Ausbau von Flexibilisierungmodellen wird zunächst eine Kostensteigerung für Unternehmen bedeuten. Fragt man allerdings nach den zentralen Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen, sind motivierte, gesunde und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabdingbar.

Wenn attraktive Arbeitszeitmodelle qualifizierte Beschäftigte langfristig halten, kompensiert dies die Kosten und stärkt den Betrieb im Wettbewerb um Fachkräfte. Damit sich der Aufwand jedoch lohnt, muss Flexibilität von beiden Seiten gegeben sein. Während Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Vorteile der Flexibilisierungsmodelle nutzen, um Arbeits- und Privatleben in Einklang zu bringen, müssen sie gewisse individuelle Kompetenzen vorweisen und erlernen. Zeitmanagement, Zeitsynchronisation und Zeitsouveränität sind unabdingbar, um sich vor den Schattenseiten der Flexibilisierung zu schützen und das Funktionieren flexibler Arbeitszeitmodelle sicherzustellen. Hierfür bietet das INQA-Projekt MASTER Workshops mit Beschäftigten und Führungskräften an, um den richtigen Umgang mit der ständigen Erreichbarkeit zu erlernen.

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Über die Autorin:

Autorenbild Rudolf KastProf. Dr. Jutta Rump ist Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen (IBE) und Themenbotschafterin für Chancengleichheit & Diversity bei der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Außerdem ist sie Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen mit dem Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung.

Am 12. September zwischen 10:15 und 11:00 Uhr erläutert INQA-Themenbotschafterin Prof. Dr. Jutta Rump auf der Zukunft Personal Europe das Spannungsfeld der souveränen Arbeitszeitgestaltung zwischen 9 to 5 und 24/7. Zusätzlich präsentiert sie die Projekte ZEITREICH und Arbeitszeitbox auf dem INQA-Messestand (Halle 2.1, Stand S. 28).

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1 Comment

  1. Und genau das ist ein Grund, warum ein Fernstudium eine gute Vorbereitung auf das Arbeitsleben ist. Ich habe meinen Master online gemacht und immer behauptet, das mir dadurch die Organisation in der Arbeitswelt leichter gefallen ist. Man hat schnell gelernt, kompakt Ergebnisse zu erzielen

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