Interview mit Barbara Wittmann zu Künstliche Intelligenz im Recruiting

Foto: Christoph Vohler Munich

Barbara Wittmann, Leiterin Talent Solutions bei LinkedIn, wird in ihrer Keynote auf der Zukunft Personal Europe zeigen, wie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die richtigen Arbeitskräfte gefunden werden können und inwiefern das Thema Automatisierung in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Im Vorab-Interview spricht sie mit uns unter anderem über das große Potenzial von sogenannten Bumerang-Mitarbeitern – und Menschlichkeit als weiterhin wichtiger Faktor im Recruiting-Prozess.

Sie sehen großes Potenzial in sogenannten Bumerang-Mitarbeitern, also Mitarbeitern, die nach einiger Zeit wieder zum Unternehmen zurückkehren – wie kann Big Data dabei helfen, den Kontakt zu diesen Mitarbeitern zu halten?

Bumerang-Mitarbeiter bergen für beide Seiten enorme Vorteile, für den Arbeitgeber aber auch für die betreffende Kraft selbst: Sie sind leichter wieder in den Arbeitsalltag zu integrieren, weil sie die Abläufe bereits kennen. Zusätzlich sorgen sie für neue Impulse, weil sie eine Perspektive von außen und neue Erfahrungen mitbringen. Ich kann Unternehmen daher nur empfehlen, ihr Alumni-Netzwerk zu pflegen und ehemalige Mitarbeiter nicht aus den Augen zu verlieren.

Auf LinkedIn können Personalverantwortliche die Entwicklung ihrer ehemaligen Kollegen verfolgen und in vielen Fällen sehen, woran diese seitdem gearbeitet haben. Außerdem teilen viele Mitglieder die Fähig- und Fertigkeiten, die sie neu hinzugewinnen. Kombiniert mit dem Wissen über die gemeinsame Vergangenheit ergibt sich ein Bild über die Expertise, die vielleicht bei neuen Aufgaben und größeren Projekten hilfreich sein könnten. Ich merke selbst, dass ehemalige Mitarbeiter durchaus offen für ein erneutes Angebot sind, schließlich ist es für sie ein Zeichen der Wertschätzung und sie müssen sich nicht erst in einem neuen Umfeld zurechtfinden.

Bumerang-Mitarbeiter sind leichter wieder in den Arbeitsalltag zu integrieren, weil sie die Abläufe bereits kennen. Zusätzlich sorgen sie für neue Impulse, weil sie eine Perspektive von außen und neue Erfahrungen mitbringen. Klick um zu Tweeten

Was sind derzeit die wichtigsten Tools, um Talente zu finden und zu entwickeln?

Pragmatisch betrachtet ist die Suche nach Talenten die Suche nach einer Kombination aus den benötigten Fähigkeiten und Kompetenzen, die ein Unternehmen gerade braucht. Deshalb haben wir unsere „Recruiter“-Lösung so ausgestattet, dass Personaler anhand verschiedener Filter ein Profil von ihrem Wunschkandidaten erstellen können. So können sie gezielt nach Personen suchen, die die gewünschten Kompetenzen, die nötige Seniorität oder ausreichend Branchenerfahrung mitbringen. Als Recruiter kann man außerdem sehen, welche Mitglieder prinzipiell offen dafür sind, angesprochen zu werden. So können Unternehmen leichter eine Vorauswahl treffen und vakante Stellen schneller besetzen.

Bei der Weiterentwicklung halte ich persönlich E-Learning-Plattformen für die angenehmste Form der Weiterbildung, weil sie sich im Normalfall am einfachsten in den persönlichen Alltag integrieren und sich beispielsweise auch per App mobil abrufen lassen. Ich nutze gerne LinkedIn Learning, beispielsweise wenn ich mal eine längere Zugfahrt habe oder mit der U-Bahn unterwegs bin. Die Lektionen sind in angenehm kurze Kapitel unterteilt, dass man sie auch „on the go“ ansehen kann. Laut einer unserer Umfragen, die wir im vergangenen Jahr zusammen mit der Bitkom durchgeführt haben, nutzen bereits 58 Prozent der deutschen Unternehmen diese Angebote. So sinkt auch die Hemmschwelle im Vergleich zu einstündigen interaktiven Lernprogrammen, die man nur zuhause nutzen kann.

Birgt das Einsetzen von Chatbots oder Virtual Reality nicht auch die Gefahr, bestimmte Zielgruppen zu vergraulen? Sollten wir nicht mehr auf Menschlichkeit setzen?

Ich persönlich halte das Menschliche für unabdingbar. Gerade bei der Ansprache ist eine persönliche Note meiner Meinung nach nicht wegzudenken. Allerdings ist es je nach Situation auch völlig in Ordnung, technische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um Abläufe effizienter zu gestalten und häufig gestellte Fragen schnell zu beantworten. Wenn der Bewerber nach einem Gespräch noch Fragen hat, ist es also durchaus sinnvoll, einen Chatbot einzusetzen. Bei wichtigen Dingen wie der Absage für einen Job gebietet es der gute Stil, zumindest selbst die E-Mail zu schreiben.

Bei wichtigen Dingen wie der Absage für einen Job gebietet es der gute Stil, zumindest selbst die E-Mail zu schreiben. Klick um zu Tweeten

Wird künstliche Intelligenz Recruiter eines Tages vollständig ersetzen?

Der Meinung bin ich nicht. Ich denke eher, dass KI die menschlichen Recruiter unterstützen, aber niemals vollständig ersetzen wird. Sie kann beim Recruiting-Prozess geeignete Kandidaten identifizieren und herausfiltern, wer am besten auf das Tätigkeitsprofil passt. Allerdings mangelt es ihr an Empathie, um beurteilen zu können, ob der Kandidat auch ein „Cultural Fit“ ist und von der Persönlichkeit her auch gut ins Unternehmen passt. Für solche Fragen sollten Recruiter immer involviert sein.


Zur Person:

Barbara Wittmann hat ein MBA-Studium an der University of Texas in Austin absolviert und an der Münchener Maximilian-Ludwig-Universität ihren Abschluss in Slawischer Philologie, Volkswirtschaftslehre sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte gemacht. Seitdem hat sie für verschiedene multinationale Unternehmen gearbeitet und kann mittlerweile auf 20 Jahre Erfahrung in ihrem Beruf zurückblicken. 2016 übernahm sie die Leitung der LinkedIn Talent Solutions in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre Hauptaufgabe besteht in der direkten Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kunden von LinkedIn.

Auf der Zukunft Personal Europe hält sie am 11. September um 13:00 Uhr ihre Keynote mit dem Titel „Talente finden und entwickeln – strategische Personalplanung in Zeiten von Künstlicher Intelligenz “

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