Interview zur digitalen Transformation mit HR-Executive und CDO

Foto: Bettina Engel-Albustin (Dirk Müller), Jens Müller (Heidi Moser)

Die digitale Transformation und der Umgang mit disruptiven Geschäftsmodellen steht für viele Unternehmen im Mittelpunkt ihrer strategischen Ausrichtung. So hat die digitale Revolution auch eine neue Position in den Führungsetagen geschaffen: Immer häufiger berufen Konzerne einen eigenen Chief Digital Officer, kurz CDO, der sich dem Mega-Trend Digitalisierung annehmen soll. Doch was sind die wichtigsten Hebel, um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten und wo sind Schnittstellen zum HR-Management? Schließlich müssen die Mitarbeiter den Wandel mittragen und mitgestalten. Orientierung und Impulse vermitteln auf der Zukunft Personal Europe in einem gemeinsamen Vortrag die Keynote Speaker Dirk Müller, CIO der Franz Haniel & Cie. und CEO der Digital-Einheit Schacht One, und Heidi Moser, Head of HR bei Ratioform Verpackungen GmbH. Im Vorab-Interview haben wir sie gemeinsam zur Zusammenarbeit zwischen CDOs und HR-Managern befragt.

Frau Moser, sehen Sie sich bzw. den HR Bereich als Treiber der digitalen Transformation in Ihrem Unternehmen? Vielleicht sogar als Vorbild?

Heidi Moser: Ja, irgendwie schon. Auch wenn unsere CDO die Hauptreiberin ist, hat HR bei ratioform eine zentrale Rolle. Wir sitzen wie die Spinne im Netz. So führen wir laufend Gespräche mit Führungskräften und Mitarbeitern aus allen Fachbereichen. Diese nutzen wir, ganz nebenbei, um Einfluss auf die Geschwindigkeit der Transformation zu nehmen und Mindset zu prägen.
Weiter achten wir im Recruiting extrem darauf neue Kolleginnen und Kollegen mit einem digitalen Mindset an Bord zu holen. Nur im Zusammenspiel von den richtigen neuen Köpfen und einem Change Step by Step, liegt für mich der Erfolgsschlüssel. Insofern sind wir in HR ein stetiger Motor für die Veränderung.

Herr Müller, wenn der Chief Digital Officer seinen Job gut macht, macht er sich selbst irgendwann arbeitslos – stimmen Sie dieser Aussage zu?

Dirk Müller: Das sagt man ja gemeinhin so… Allerdings bin ich mir nicht mehr so sicher. Wenn die alleinige Rolle des CDO ist, Change und Transformation anzuschieben, dann wahrscheinlich. Aber meistens ist der CDO ja eher eine Rolle, die noch andere Aufgaben im Unternehmen hat. Zum Beispiel in der IT oder im Marketing oder letztendlich der Head eines Bereiches zu sein, welcher innovative Geschäftsmodell Themen nach vorne treibt. Also vielleicht eher eine Entwicklung zum Head of Innovation und Change in der Zukunft. Denke das wird nicht überflüssig…

Frau Moser, welche Projekte haben Sie bereits gemeinsam mit Frau Elke Katz, CDO in Ihrem Unternehmen, umgesetzt?

Heidi Moser: Wir haben 2016 das Programm „New Ways of Working“ in Leben gerufen. Wir arbeiten hier daran, Arbeitsweisen, Arbeitsmethoden, Unternehmenskommunikation, Mindset, Personalführung und Organisationsstrukturen im Zuge der digitalen Transformation zu verändern. Wir haben dieses Programm bewusst so ganzheitlich aufgesetzt, weil unsere Hebel in neuen Arbeits- und Verhaltensweisen der gesamten Belegschaft liegen. So ist die Einführung von Office 365 Teil des Programms und kein reines IT-Projekt, denn unser Ziel ist kollaboratives Arbeiten für so viele Use-Cases wie sinnvoll und möglich.

Herr Müller, kann ein CDO fehlende Digitalkompetenz der Geschäftsführung ausgleichen oder ist heutzutage IT-Know-how für einen GF unabdingbar?

Dirk Müller: Eine gewisse Affinität ist für den heutigen CEO schon notwendig – aber vor allem offen für die Möglichkeiten der Digitalisierung zu sein. Klar – in digital geborenen Unternehmen benötigt man keinen CDO – in traditionellen ist es dann häufig eher als Gespann CEO und CDO (häufig auch CTO) zu sehen. Aber: Der CDO muss dann auch entsprechende Befugnisse im Unternehmen haben und eng am – am besten im – Top-Management aufgehängt sein.

Wie sehen Sie die Aufgaben – und Rollenverteilung von CDOs und HR in Bezug auf die digitale Transformation von Unternehmen? Wo gibt es Schnittstellen?

Dirk Müller: Der Teil Transformation hat viel mit HR zu tun – hier kann HR als Enabler fungieren. Der CDO macht quasi die Veränderungspotentiale offensichtlich und HR bringt die Werkzeuge und die Kompetenzen mit, die nötigen Veränderungen auch umzusetzen.
Heidi Moser: Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Wie garantieren Sie, dass alle Mitarbeiter von der digitalen Transformation profitieren und dazu in der Lage sind, die neuen Tools und Möglichkeiten effizient zu nutzen?

Dirk Müller: Da kann ich natürlich nicht für die Gruppe garantieren. Allerdings haben wir bei Schacht One neben Projekten noch den Fokus Knowledge und Network. Hier versuchen wir unser Wissen über Methoden aber auch neue Technologien zu bündeln und über verschiedene Formate in die Gruppe zu bringen.
Für mich gelingt Transformation vor allem über Partizipation. Daher versuchen wir mit den Kollegen gemeinsam praktisch in Projekten zu arbeiten.
Heidi Moser: Wir bei ratioform haben 2016 „Botschaftern der Veränderung“ ins Leben gerufen und Mitarbeiter aus allen Bereichen eingeladen mitzuwirken. Parallel haben wir eine Reihe von Schulen in agilen Methoden angeboten, ein unternehmensweites Programm „Agil Driver“ mit den Kollegen der TAKKT AG konzipiert und Projekte durch agile Coaches begleiten lassen. Auch hier haben wir darauf geachtet, Mitarbeiter, Projektleiter und Führungskräfte gleichermaßen auszubilden. Aktuell verlagern wir unseren Focus von den Botschaften, zu denen die aktiv vorangehen, um die geschaffenen Leuchttürme zu fördern.
So gibt es mittlerweile einen Agil Circle im Unternehmen, indem die eigenen Erfahrungen mit agilen Methoden geteilt werden.

Herr Müller, Sie sind CEO der Digital-Einheit Schacht One, Frau Moser, Sie bieten in Ihrem Unternehmen unter anderem ein BA-Studium in Digital Business an, mit Einblicken in E-Commerce, Business Intelligence und IT. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten müssen potenzielle Bewerber mitbringen, um in diesen Bereichen arbeiten zu können? IT-Know-how? Führungskompetenz? Kaufmännisches Verständnis?

Dirk Müller: Meine Mitarbeiter sind vor allem geschult darin, neue Möglichkeiten zu erkennen und diese auf das Geschäftsmodell anzuwenden. Dabei kommen moderne Managementmethoden wie Design Thinking und Lean Startup zum Einsatz. Am Ende ist es der persönliche Drive Dinge zu bewegen – schon ein wenig mit Startup-Attitüde. Aber immer mit dem Blick fürs das was im Corporate auch wirklich möglich ist.
Heidi Moser: Ein bisschen von jedem würde ich sagen, wenn ich „wünsch dir was“ spielen könnte. Da Sie speziell nach unserem Studienangeboten fragen, muss ich sagen, dass diese Erwartungen an Schulabsolventen völlig überzogen sind. Wir achten viel mehr darauf, dass die Absolventen sich mit den Studieninhalten beschäftigt haben und Wissen über Handelsgeschäftsmodelle mitbringen, was in Zeiten des Internethandels nicht so schwer ist. Wir achten darauf Teamplayer zu rekrutieren, die Ideen und Visionen haben und bereit sind sich zu engagieren.

Und wie finden Sie passende Kandidaten für diese Bereiche, wie verläuft das Recruiting?

Dirk Müller: Wir recruiten eigentlich nur über unsere eigenen Netzwerke. Die positive Reputation von Schacht One und die tolle Entwicklung von Zollverein und des Ruhrgebietes im Kontext Digitalisierung helfen uns dabei sehr!
Heidi Moser: Wir nutzen neben unseren Netzwerken auch die altbekannten Kanäle. Das wir in vielen unserer Standorte, auch in München, einen Arbeitsort am Rand der Stadt haben, macht das Recruiting oft nicht einfach. Trotz allem gelingt es uns immer wieder die richtigen Personen für das Unternehmen zu begeistern. Dabei spielt vermutlich die Möglichkeit, dass jeder Mitarbeiter der will seine Ideen einbringen kann eine große Rolle. Gerade jetzt, im Zuge der Transformation, ergeben sich viele Möglichkeiten Dinge aktiv mitzugestalten und schnell umzusetzen. Wir haben in 2017 42 Projekte im Rahmen unserer digitalen Agenda erfolgreich abgeschlossen. Das ist für einen Mittelständler wie uns eine Menge und ich sehe, dass sich das rumspricht.

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Zu Heidi Moser

Als Personalleiterin bei Ratioform, deutscher Marktführer im Handel von Verpackungen für Versand, Lager und Büro, legt Heidi Moser auch einen großen Schwerpunkt auf die Zukunft des digital Business. Zuvor war sie als Geschäftsstellenleiterin von ACTIEF Personalmanagement – Die ACTIEF Gruppe, ehemalig TIMECRAFT Unternehmen für Arbeitnehmerüberlassung GmbH, tätig. Ihr Diplom-Studium schloss sie an der evang. Fachhochschule Nürnberg in Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt „Soziales Management: Personalarbeit und Organisationsentwicklung“ ab.

Zu Dirk Müller

Dirk Müller ist CIO beim Family-Equity-Unternehmen Franz Haniel & Cie. und zugleich CEO der Haniel Digital-Einheit Schacht One. In dieser Funktion unterstützt er die digitale Transformation des gesamten Unternehmens sowie die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle für die verschiedenen Beteiligungen und Bereiche von Haniel. Als Chief Information Officer leitet und koordiniert er zudem die strategische Ausrichtung und Positionierung der Haniel IT gegenüber internen wie externen Unternehmenskunden.

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