4 Gründe, warum die Digitalisierung Diversität braucht.

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Es gibt eine Erfahrung, die ich immer wieder mache, wenn ich in Unternehmen gehe. Teams, die sich durch Diversität auszeichnen, sind durchgehend erfolgreicher, offener für Neues und zeichnen sich durch einen hohen Digitalisierungsgrad aus. Ich glaube, dabei handelt es sich um keinen Zufall, sondern um einen kausalen Zusammenhang. Digitalisierung und Diversität hängen direkt zusammen. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass die Herausforderungen, die auf die Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung zukommen, nur zu schaffen sind, wenn es ihnen gleichzeitig gelingt, Diversität als Chance zu begreifen. Dazu habe ich 4 Thesen entwickelt, an denen ich das verdeutlichen möchte.

1. Diversity bringt digitales Wissen in Unternehmen

Eine der wichtigsten Aufgaben beim Recruiting ist es derzeit, digitales Wissen in die Unternehmen zu bringen. Wie gelingt es, dass sich eine Expertin für Künstliche Intelligenz gegen eine Karriere bei einem Tech-Startup in London, Berlin oder Palo Alto entscheidet und für einen mittelständischen Maschinenhersteller in Harsewinkel? Eine der größten Herausforderung dabei ist, zunächst alte Denkmuster zu durchbrechen. Bislang war es immer so, dass die ältere Generation ihr Wissen der jüngeren Generation weitergegeben hat. Das stimmt heute so nicht mehr.

Heute kann es ebenso gut sein, dass die jüngere Generation neues Wissen und neue Skills mit in Unternehmen bringt, gerade weil für die Digital Natives alles Digitale eine Selbstverständlichkeit ist. Mentoring funktioniert heute also in zwei Richtungen. Reverse Mentoring kann aber nur funktionieren, wenn Teams nicht mehr streng hierarchisch organisiert sind, alle Mitarbeiter eine gewisse Offenheit mitbringen, einander zuhören und bereit sind, voneinander zu lernen. Das gelingt vor allem in Teams, die einen hohen Grad an Diversität aufweisen. Je diverser ein Team ist, desto unterschiedlicher sind die Ansichten und der Wissensstand jedes Einzelnen beispielsweise bezüglich eines neuen Projekts oder einer neuen Entwicklung. Gleichzeitig wissen alle im Team, dass sie sich am Ende des Tages zusammenraufen müssen, um Ergebnisse zu erzielen. Das sind ideale Voraussetzungen für Wissenstransfer in alle Richtungen.

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2. Diverse Teams erleichtern internationales und interkulturelles Netzwerken

Teams, die einen hohen Grad an Diversität aufweisen, sind es auch gewohnt, sich mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Lebensgeschichten, unterschiedlichem Fachwissen, anderen Mentalitäten, Ansichten Meinungen auseinanderzusetzen. Gerade diese Fähigkeit, offen zu sein, ist auch eine Voraussetzung dafür, sich schnell auf Menschen aus anderen Kulturen einzustellen. In einer Ökonomie, die immer vernetzter wird und in der internationale Kooperationen zum Alltag gehören, ist diese Fähigkeit ein Schlüssel, um solche Projekte erfolgreich zu meistern.

3. Komplexe Probleme brauchen komplexe Antworten

Zum Phänomen der Diversität und dessen Auswirkung auf Unternehmen bzw. Netzwerke forscht auch die Wissenschaft schon seit längerem. Der Psychologe und Neurophysiologe Peter Kruse beschäftigte sich beispielsweise intensiv mit „intelligenten Netzwerken“. Er kam zum Schluss, dass „harmonische Systeme (wie Teams oder Netzwerke) dumme Systeme“ sind. Die Lösung sah Krise darin, Unterschiedlichkeiten, sprich: Diversität in einem System zu schaffen, um auf diese Weise die Spannung darin zu erhöhen. Wir leben in einer komplexen, vernetzten Welt mit komplexen Herausforderungen. Die Antwort auf komplexe Probleme muss ebenfalls komplex ausfallen. Diversität schafft die Grundlage für Multiperspektivität und damit für komplexe Antworten auf Herausforderungen wie sie die Digitalisierung mit sich bringt.

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 4. Diversität ist ein Katalysator für Innovation & Kreativität

Diversität ist aber nicht nur die Antwort auf Komplexität, sondern auch einer der Schlüssel zu Innovation. Das heißt, dass Unternehmen, die auf der Suche nach innovativen Lösungen sind, sich nicht auf homogene Teams verlassen sollten. Zu diesem Ergebnis kommt auch Michael Stuber, einer der führenden Diversity-Management-Experten. Er erforschte dieses Prinzip wissenschaftlich und sagt: „Es ist die Vielfalt der Perspektiven, die zu besseren Lösungen und zu cleveren Produkten führt.“

Das belegt die Praxisstudie des Instituts für Mittelstandsforschung, die die positive Wirkung von Vielfalt in Unternehmen nachweisen wollte. Diversität in Teams hat demnach zur Folge, dass es ein härteres Ringen um Konsens gibt, was aber zu besseren Ergebnissen führt. Menschen mit unterschiedlichem Background bringen neue Informationen in Teams ein, was zur Kreativität anregt und innovative Lösungen hervorbringt. Diversität ist damit der Katalysator für Innovation und Kreativität.

Diversität deckt damit vier Schlüsselbereiche ab, die eine Grundlage dafür sind, dass der digitale Wandel in Unternehmen zum Erfolg werden kann. Digitalisierung braucht neben Diversität auch Mut und Offenheit. Offenheit gegenüber allem Neuen und Anderen. Mut, um beispielsweise Hierarchien abzubauen. Mut, um andere Meinungen zuzulassen und auch mal Differenzen stehen zu lassen, um gemeinsam am Großen und Ganzen zu arbeiten und die gemeinsamen Ziele zu verfolgen.

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Über die Autorin:

Autorenbild Tijen OneranTijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche. Zudem publiziert Tijen Onaran regelmäßig als Mitglied des Handelsblatt Expertenrates, sowie als Kolumnistin für Futurezone und Lead Digital. Sie wurde in das Faculty Board für „Digital Leadership“ der Management School St. Gallen berufen. Vor ihrer Selbstständigkeit war Tijen Onaran für Europa-, und Bundestagsabgeordnete, für das Bundespräsidialamt sowie für Verbände und eine Hochschule in leitenden Funktionen tätig.

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