Frank Salzgeber verrät, was Personalverantwortliche von der Raumfahrt lernen können

Quelle: Frank M. Salzgeber

„We need more space“ – so lautet der Titel der Keynote von Frank M. Salzgeber auf der Zukunft Personal Nord. Und ja, in dem Vortrag geht es tatsächlich um den Weltraum. Denn der Diplom-Ingenieur arbeitet für die Europäische Raumfahrt Agentur ESA und hat jahrelang irdische Unternehmen dabei unterstützt, im wahrsten Sinne des Wortes „spacige“ Innovationen und Technologien zu nutzen und anzuwenden. Im Interview verrät er uns, was Personalverantwortliche von der Raumfahrt lernen können – und warum Kinder die besseren Unternehmensgründer sind.

Ihr Vortragstitel ist ja zweideutig – was können die Besucher der Zukunft Personal Nord von Ihrem Vortrag erwarten?

Die Zweideutigkeit war natürlich Absicht. Auf der einen Seite bin ich davon überzeugt, dass Technologie in der Raumfahrt helfen kann, die großen und die kleinen Probleme des Alltags besser zu verstehen und auch zu lösen. Erdbeobachtungssatelliten lassen uns wissen, wie sich das Klima ändert, helfen aber auch das Wetter von morgen vorherzusagen. Satellitenkommunikation erlaubt uns überall auf der Welt zu telefonieren und bringt uns auch die Olympischen Spiele in Echtzeit nach Hause. Und die Satellitennavigation lässt uns von überall nach Hause finden. Von Energie und Leichtbautechnik will ich gar nicht erst reden.

…aber wir brauchen auch in der Personalführung mehr „Raum“, das heißt auch seinen Leuten mehr Freiheiten zu geben. Nur so kann man Vertrauen aufbauen. Hier geht es um die Stärkung des Einzelnen und auch des Teams. Das fördert die Innovation.

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Warum sind Kinder die besseren Unternehmensgründer?

Kinder erforschen jeden Tag und lernen dazu. Sie sind offen für Neues und sind neugierig. Wenn wir älter werden benützen mir mehr und mehr unser Wissen und die Neugier ist nicht mehr da. Man braucht beides. Wenn ich meine Kinder ansehe, sehe ich keine Angst vor dem Neuen und auch nicht vor dem Scheitern! Das wünsche ich mir auch von einem Team. Als Gründer scheitert man auch oft, darf aber dennoch seine Träume nicht aufgeben. So wie unsere Kinder!

Gibt es Erfindungen aus dem Weltall, die mittlerweile von Personalern genutzt werden?

Soviel ich weiß leider nicht, dabei sind wir Trainingsspezialisten. Nehmen Sie unsere Astronauten: Die lernen als Team und vertrauen sich blind. Gut nachvollziehbar, schließlich kann das eigene Leben von der Entscheidung des Kollegen abhängen. Die bleiben nach einer Mission Freunde fürs Leben. Also wenn ich so darüber nachdenke, sollte man hier mehr transferieren….

Was kann die HR-Branche bzw. was können Personaler von der Raumfahrt lernen?

„Wer plant, ist Herr des Tages“ hat Goethe mal gesagt. Dies gilt nicht nur für die Raumfahrt, sondern auch für die HR-Branche. Bei der ESA arbeiten über 40 Nationalitäten. Das ist eine Bereicherung, denn es macht uns nur besser. Aber auch Scheitern lernen gehört dazu und wenn nötig, geduldig zu sein, um seine Ziele zu erreichen. Besonders für die jüngere Generation ist das wichtig.

Sie unterstützen insbesondere Gründer und Start-ups – was ist mit dem Mittelstand und den etablierten Firmen, benötigen nicht gerade die Innovationen?

Wir arbeiten mit allen, die mit uns arbeiten wollen. Das ist wie im Personalwesen. Jedes Problem kann man lösen, solange sich die Person helfen lassen will. Bei Unternehmen ist das ebenso.
Wenn ein Ingenieur nicht offen für neue Technologie oder einen Ratschlag von außen ist, geht es nicht. Jeder Personalmitarbeiter kennt diese Situation! Start-ups sind generell offener, aber wir haben auch „Kunden“ die konservativer sind, beispielsweise den Vatikan.

Stichwort Disruptive Leadership – wie ändert sich die Arbeit von Personalverantwortlichen in Zeiten des digitalen Wandels?

Man muss das Neue und zu Erforschende in der Balance halten. Nur so kann man Innovation sehen und den Betrieb am Laufen halten. Man muss mit dem digitalen Wandel gehen und am besten immer einen Schritt voraus sein. Das fängt in den Köpfen im Unternehmen an. Ohne Offenheit, mehr Verantwortung und das akzeptierte Risiko auch mal zu scheitern, gibt es keine Veränderung! Ich würde mir wünschen, dass dies auch bei Mitarbeiter-Bonussystem berücksichtigt würde. Denn es geht darum, Neues auszuprobieren und nicht Altes zu verwalten.

Ohne Offenheit, mehr Verantwortung und das akzeptierte Risiko auch mal zu scheitern, gibt es keine Veränderung! @franksalzgeber #ZPNord18 Klick um zu Tweeten

Zur Person

Die ersten sieben Jahre seiner Karriere verbrachte Frank M. Salzgeber bei Apple Computer und gründetet im 2000 sein erstes Start-Up, welches später in ein Börsenunternehmen aufging. Für die Europäischen Raumfahrt Agentur ESA war er viele Jahre für die kommerzielle Entwicklung der bemannten Raumfahrt verantwortlich. Dabei hat er über 600 Start-ups unterstützt und 150 Technologietransfers ermöglicht. Sein Gründerprogramm wurde von der Fraunhofer Gesellschaft, Airbus und dem Forschungszentrum CERN übernommen. Mittlerweile leitet Salzgeber den Technology Transfer und das Innovationsmanagement der ESA. Auf der Zukunft Personal Nord hält er am 16. Mai um 10:15 Uhr seine Keynote mit dem Titel: „We need more space“

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