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„Schalten wir doch einfach unser Hirn ein!“ – Unkonventionelle Tipps für HRler

Bodo Antonic gibt unkonventionelle Tipps für das Human Resource Management

Quelle: Bodo Antonic

Beamtenmikado, HR-Katechismus und Betroffenheitsgeschwurbel – wenn Interimmanager Bodo Antonic über den Nachholbedarf der HR-Branche in Sachen Recruiting und Personalmanagement spricht, nimmt er kein Blatt vor den Mund. In seiner Keynote auf der Zukunft Personal Süd wird er erläutern, warum er einen Fokus auf Menschlichkeit fordert, anstatt blind jeder digitalen Maßnahme hinterherzulaufen. Das Interview bietet einen kleinen Vorgeschmack auf seine offene Art, Probleme anzugehen und Lösungen zu finden:

Als Interimmanager haben Sie schon viele Firmen kennengelernt, gerade in Krisenzeiten. Gibt es Fehler im Bereich HR, die Ihnen immer wieder aufgefallen sind? Wo gibt es Nachholbedarf?

Immer wieder stelle ich fest, dass sich Personaler als Supporter sehen, nicht als Gestalter. Die HR-Abteilung wird als „Diener“ des Business gesehen und bestätigt diese Wahrnehmung ständig durch ihr eigenes Verhalten. HR füttert damit quasi ständig sein eigenes Monster. Die Branche muss gegen sich selbst aufbegehren, sich selbst dekonstruieren und neu erfinden. Die Personalverantwortlichen müssen ihr Eigenverständnis in Frage stellen und sich stärker als gestaltendes Element positionieren.

Die Personalverantwortlichen müssen ihr Eigenverständnis in Frage stellen und sich stärker als gestaltendes Element positionieren. @bodoantonic zu Fehlern im Bereich #HR Klick um zu Tweeten

Sie sind ein Verfechter von „geballter Menschlichkeit“ – halten Sie dementsprechend auch nichts von „Robot Recruiting“ und anderen anonymen/ automatisierten Verfahren oder sehen Sie darin auch Vorteile?

Ich bin nicht im Geringsten gegen Robot Recruiting, AI oder ähnlichen Ansätzen. Jedoch ist mit Nachdruck davon abzuraten, diese neuen Wege zu glorifizieren. Die Zeit, die wir verbrauchen, um – bildlich gesprochen – all den Schweinen hinterherzurennen, die durch´s Dorf getrieben werden, sollten wir lieber darauf verwenden, unser Hirn einzuschalten. Platte Heilsversprechen sind mir einfach ein Gräuel.

Sie haben einmal gesagt: „Es ist immer besser, loszulaufen, einen Fehler zu machen, als stehen zu bleiben.“ – Fehlt es deutschen Firmen noch an einer positiven Fehlerkultur und wie lässt sich das ändern?

Ich mag diesen Begriff der positiven Fehlerkultur nicht. Das klingt nach „Fehler sind toll“, was meiner Meinung nach Unsinn ist. Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, aber Fehler kosten Geld, vernichten Effizienz und sind damit bestimmt kein güldenes Kalb, um das es zu tanzen zu gilt. Woran es wirklich fehlt, ist Mut. Fehler werden nicht selten über Gebühr bestraft. Stattdessen braucht es eine auf Exploration abhebende Kultur, die Bereitschaft, Neues zu entdecken und nach vorne zu gehen. Die Schlüsselworte lauten: Neugier und Mut. Vorherrschend ist jedoch Atemlosigkeit, da jeder so lange wie möglich die Luft anhält, um sich im allgegenwärtigen Beamtenmikado nur ja nicht zu bewegen.

@bodoantonic: Wir brauchen eine auf Exploration abhebende Kultur, die Bereitschaft, Neues zu entdecken und nach vorne zu gehen. Klick um zu Tweeten

Sie propagieren Agilität und geistige Entfesselung. Was bedeutet das für die HR-Branche?

Das lässt sich nicht auf eine Branche beschränken, das gilt für jede Branche und jedes Unternehmen gleichermaßen. Praktisch würde ich wie folgt vorgehen: Welche Regel, welches Dogma, welche Norm will ich eigentlich loswerden, welche kann ich loswerden und welche stört die Wertschöpfung des Unternehmens? In dem Moment, in dem ich eine Regel gefunden habe, die diese drei Kriterien erfüllt, schaffe ich diese Regel einfach ab. Ohne Arbeitskreis, ohne Gremium, ohne Betroffenheitsgeschwurbel und Selbstfindungsgruppen, einfach nur die Spielregeln ändern. Erkennen, umsetzen. Das ist schon alles.

Welche Lehren kann die HR-Branche aus der Unwucht-Kybernetik ziehen?

Ballast abwerfen, Fokus auf Werte. Ich will ein Beispiel heranziehen: Denken Sie bitte an diesen ganzen, ritualisierten Schmarrn der Jahresgespräche. Das ist ein Teil des HR-Katechismus. Alle machen mit, alle sind genervt, irgendwas wird gemacht und Haken dran. Der Sinn – an sich gut – wird konterkariert. Nutzen wird kaum gestiftet.  Und was wollen wir wirklich? Menschen, die sich unterhalten. Meine Behauptung: Wenn die Wertelandschaft im Unternehmen stimmt, passiert das von ganz alleine. Lassen wir doch bitte die Dogmen und Riten der Kirche und all das weg, weil es nur nervt und keine nachhaltige Wertschöpfung stiftet.

Alle machen mit, alle sind genervt, irgendwas wird gemacht und Haken dran. Der Sinn - an sich gut - wird konterkariert. @bodoantonic über #Jahresgespräche Klick um zu Tweeten

Sie sagen, dass ein Richtungsstreit zwischen analoger und digitaler Welt nicht zielführend ist und streben einen „digilogen“ Zustand an – digital und analog zusammen gedacht, je nach Kontext, wie es Sinn macht. Können Sie das in Bezug auf die HR-Branche an einem Beispiel erläutern?

Bleiben wir bei dem derzeit gerade durch das Dorf getriebene Schwein des Robot Recruitings. Digital ist gut, digital ist supi, digital musst du sein, wenn du nicht digital bist, dann bist du nichts, aber so rein gar nichts. So lautet das Mantra. Und nun das Gegen-Mantra: Nur der Mensch ist in der Lage, den anderen Menschen, den wahren kreativen Geist in ihm zu erkennen. Wunderbar, Weihrauchstäbchen an, psychedelische Musik auf Zimmerlautstärke und los geht`s.

Im Grunde genommen stoßen hier zwei Denkschulen aufeinander und beide versuchen nur ihre Berechtigung zu verteidigen. Gnostik taugt einfach nichts. Jedoch geht es nicht um Denkschulen und um Glaubensbekenntnisse. Es geht schlichtweg darum, Menschen zu finden, zu binden und zu entwickeln. Wie das geschieht, digital oder analog, ist mir dabei völlig egal. Was wäre denn daran so schlimm, einfach beide Wege zu nutzen? Greifen wir doch einfach zum Unerhörten und schalten unser Hirn an. Dann kommt man sehr schnell dazu, dass man sicherlich auf den digitalen Marktplätzen Kandidaten digital ansprechen kann und einige davon werden sicherlich auch positiv darauf reagieren. Warum auf diesen Begegnungsstätten nicht einfach ein paar Bewerbungsautomaten aufstellen und zusätzlich sind noch ganz analoge Recruiter anwesend. Kein Entweder-oder, sondern bitte ein Sowohl-als-auch.

digilog - digital und analog zusammen gedacht: Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch Klick um zu Tweeten

Zur Person

Bodo Antonic ist deutsch-österreichisch-kroatischer Perser und wuchs in einer Pluralität der Kulturen auf. Als Restrukturierer schaut er gerne über den betriebswirtschaftlichen Tellerrand und die betriebsinternen Kultur- und Sprachgrenzen hinaus. Heute ist er als Interimmanager tätig und gibt sein Wissen und seine Erfahrung als Speaker weiter. Auf der Zukunft Personal Süd hält er am 25. April um 14:40 Uhr eine Keynote mit dem Titel: „Logos und (De) Mut – Hören wir auf, ums goldene Kalb zu tanzen“

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3 Comments

  1. Danke. Und Danke.

  2. Danke für diesen offenen Blick.

  3. Hallo Bodo,

    sehr spannende Gedanken zum Thema HR. Ich denke ebenfalls, dass Human Relations ein Bereich ist, der in Zukunft viel mehr Gestaltungsspielraum aufmachen wird. Aber dafür muss man vermutlich auch hier viel stärker auf Cross-funktionale Teams setzen. Warum nicht auch Entwickler, Designer und marketing Experten ins HE Team holen?

    Deine Gedanken zum Thema Jahresfeedback kann ich zu hundert Prozent unterschreiben. Habe dies auch schon mal thematisiert (http://futureproofworld.com/plaedoyer-fuer-weniger-feedback/). Vielleicht magst du da einmal reinschauen. Freu mich über „Feedback“.

    Viele Grüße,
    Gregor.

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