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HR-Battle: Digitalisierung um jeden Preis?

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Get ready to rumble – hieß es gestern im Eventforum der PERSONAL2017 Nord! Im Ring traten beim HR-Battle gegeneinander an: Stefan Scheller, Blogger auf Persoblogger und Personalmarketing DATEV und Dr. Winfried Felser, Geschäftsführer, Competence Site (Netskill Solutions). Worüber wurde gestritten? Darüber, ob um jeden Preis digitalisiert werden muss! Bevor das Wortgefecht startete, hatte das Publikum die Gelegenheit abzustimmen – keine Mehrheit fand die Forderung nach einer radikalen Digitalisierung. Nicht nur in dem Punkt waren sich die Battle-Kontrahenten einig. In drei Fragerunden hatten die Kontrahenten die Chance, das Publikum in einer Minute von ihrem Standpunkt zu überzeugen!

 

Runde-1

Ist die Digitalisierung im HR unausweichlich oder wird sie gnadenlos überschätzt?

Zum ersten verbalen Schlag holte Stefan Scheller aus und zwar auf die Frage, ob die Digitalisierung in HR überschätzt sei. „Wenn wir in die Medien schauen, bekommt man das Gefühl, dass alle von Digitalisierung sprechen, sie ist unaufhaltbar. Immer verknüpft mit dem ‚Sie müssen, sonst werden Sie nicht überleben.‘“ Dies vermittele ein Gefühl der Alternativlosigkeit, das beinahe in eine ideologische Richtung gehe. Laut Scheller sei genau hier der Punkt gekommen, zu hinterfragen und zu überlegen, worauf es denn nun wirklich ankommt. Die Digitalisierung und vor allem die Technik träfen die Menschen momentan insbesondere im Privaten. Immer mehr Daten würden gesammelt, ohne einen Mehrwert für den Einzelnen zu schaffen. Sie dienen lediglich dem Profit, stellte Scheller klar.

Auch wenn Dr. Felser seinem Kontrahenten zunächst versöhnlich zugestimmt hat, ließ er mit dem Konter nicht auf sich warten. „Wenn man Digitalisierung missversteht als Technologie, bin ich einer der größten Digitalisierungsgegner“, so Felser. Die Digitalisierung müsse vor allem als neue Wertschöpfungslogik verstanden werden. „Da sich unsere Märkte radikal wandeln, verändert sich auch unsere Arbeitswelt radikal. Weil wir schneller und innovativer sein müssen, müssen wir auch in der Arbeit flexibler, autonomer und agiler sein“, erklärte Felser.

 

Runde-2

Macht Digitalisierung unsere Arbeitswelt wirklich besser?

Die zweite Battle-Runde eröffnete Scheller mit der Gegenfrage: „Wie genau definiert man besser?“ Volkswirtschaftlich betrachtet habe sich in Deutschland seit 2007 die Produktivität nicht verbessert. Schaut man in den HR-Bereich, insbesondere aufs Employer Branding und Personalmarketing, spüre man neue Trends in Richtung Robotik und Automatisierung. Diese Trends führten dazu, dass überall dort, wo unter dem Punkt Candidate Experience der Mensch im Mittelpunkt gestanden habe, Menschen zu Datenprofilen aggregiert würden. „Man möchte möglichst wenige Lebensläufe lesen – dort soll vollautomatisch gematched werden, am besten mit absoluter Sicherheitsgarantie! Aber ist das dann ein besseres Arbeiten oder nicht?“, fragte Scheller.

Wenn Menschen zu Datenprofilen aggregiert werden - ist das besseres Arbeiten? Klick um zu Tweeten

Dem entgegnet Felser mit der Feststellung, dass das, was wir Technik und Digitalisierung nennen, kein Determinismus ist. Ob es eine Dystopie oder Utopie werde, hänge davon ab, wie wir die Gestaltungsfreiheit nutzen. Die entscheidende Rolle der HRler in Unternehmen bestünde in Zukunft darin, den Fokus auf den Menschen zu legen. Es gelte „Ja“ zu sagen zur Digitalisierung aber die Kompetenz für die Mitarbeiter zu nutzen. Laut Felser kann HR im Zuge der Digitalisierung nur so  ökonomische Notwendigkeit mit einer Mitarbeiterzentrierung harmonisieren.

 

Runde-3

Welche Rolle nehmen Personalverantwortliche in Zukunft ein? Treiber, Wellenreiter, Bremsklötze?

„Dort wo HR einen starken Businesspartner darstellt – was in den meisten Unternehmen nicht der Fall ist – kann HR Treiber sein, ich glaube es aber nicht. Wo HR in einer Wertschöpfungskette als Bremsklotz agiert, ist es ganz schnell draußen. Wellenreiter klingt nach Opportunismus, auch nicht so schön“, resümierte Scheller. Laut dem Blogger sollte HR im Digitalisierungsprozess vor allem Partner sein und seinen Fokus auf die Menschen legen. Es gelte darauf zu achten, dass es nicht ausufert zugunsten des Profits und ein im Sinne des Employer Brandings arbeitsfähiges und arbeitswürdiges Unternehmen mitzugestalten.

„Wenn wir alle rufen: Tschakka – HR muss Gestalter und Transformator sein, muss man auch realistisch sehen, wer heute Personaler ist! Was bringt derjenige für Interessen und Skills mit? Man sollte keinen Fisch zum Fliegen bringen und keinen Vogel zum Schwimmen“, konterte Felser. Er ist überzeugt, es wird so etwas wie ein bimodales HR geben. Dabei spiele ein Teil der HRler eine wesentliche Rolle in der Transformation und ein anderer Teil übernimmt die klassischen Aufgaben. Doch gerade die klassischen Aufgaben sind durch Automatisierung bedroht, stellte Felser heraus. „Es wäre super, wenn HR der Kompetenzträger für Humanorientierung wird. Man muss nur sehen, passt das zu denen, die heute HR sind“, so Felser.

Digital Mindset, mobile Mindset – alles Einstellungssache?

Nach drei 1-minütigen Runden hatten die beiden Redner Zeit, sich ohne die tickende Uhr auszutauschen. Felser nutzte die Gelegenheit, um die Frage aufzuwerfen, inwieweit Mitarbeiter zu Opfern der digitalen Tools werden. Viele seien nicht in der Lage, souverän damit umzugehen. „Ein großes Problem, das wir heute haben, ist Distraction.“ HR müsse viel stärker in neue Kollaborationen mit Fachabteilungen gehen und als Kompetenzträger auftreten – denn HR habe Ahnung vom Menschen und müsse hier zum Coach werden.

Nicht jeder, der die neuesten Apps kennt, ist souveräner Gestalter! #Digitalisierung Klick um zu Tweeten.

Auch Stefan Scheller betont, dass HR vor allem den Menschen in den Mittelpunkt stellen und ihm auf Augenhöhe begegnen muss. „Wenn wir Menschen nur als Datenbündel sehen, dann kriegen wir als Unternehmen ein Problem. So werde ich keine Mitarbeiter gewinnen können“, war Scheller überzeugt. „Wir haben mit der Zukunftsinitiative Personal den Recruiting-Prozess untersucht. Wissen Sie was herausgekommen ist? Was wollten die? Liebe!“, erzählte Felser. Damit sei Aufmerksamkeit, Kontakt, Feedback und Wertschätzung gemeint, was digital nicht zu leisten sei. „Das, was man mit AI machen kann, wird automatisiert. Was bleibt für die Menschen? Es bleibt das Bessere, denn den empathischen Menschen wird AI noch lange nicht ersetzen können“, prognostizierte Felser.

 

 

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2 Comments

  1. Wahrscheinlich denkt ein Großteil der Leser, dass wir mit vertauschten Rollen unterwegs waren – so witzig, dass Winfried Felser derart Gefallen an meiner Persoblogger-Tasche gefunden hatte. :)

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