Mobile-Work Frau schreibt auf Laptop

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Bei Microsoft gilt absolute Flexibilität bei der Arbeitsplatzwahl, IBM nimmt seine Homeoffice-Regelung zurück und bringt die Mitarbeiter wieder ins Büro. Digitale Nomaden treiben das Prinzip „Mobile Work“ auf die Spitze: Zum Arbeiten brauchen sie nicht mehr als Laptop, Strom und Internet – die Digitalisierung macht es möglich. Coworking Spaces, das Café um die Ecke, Bahnfahrten oder das Hoffice sind nicht nur für Freelancer und Selbstständige interessant. Zwischen einem festen Schreibtisch im Unternehmen und dem Strand gibt es die verschiedensten Facetten und Ausprägungen des mobilen Arbeitens – und ebenso verschiedene Mobile-Work-Typen. Und genau die hat die Studie „Mobile Work 2017“ von spring Messe Management, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) unter der Leitung von Prof. Dr. Prümper und dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie (bao GmbH) untersucht. Die ersten Ergebnisse präsentierten die Studienmacher heute auf der PERSONAL2017 Nord.


Demnach lassen sich die Beschäftigten größtenteils zu vier verschiedenen Mobile-Work-Typen zuordnen: Ein gutes Drittel (33,7 Prozent) sieht sich als „Mobile Minds“. Sie sind mobiler IT gegenüber sehr aufgeschlossen, kommen mit der hervorragend klar und fühlen sich damit absolut wohl. Ein zweiter Typ sind die „Mobile Naïfs“, die wie die Mobile Minds eine absolut aufgeschlossene Haltung gegenüber mobilem Arbeiten mitbringen, allerdings trotz hohem Wohlfühlfaktor noch nicht sehr gut damit umgehen können (8,5 Prozent). Die aufgeschlossene Haltung zeichnet auch die „Mobile Dreamer“ aus, die jedoch im Widerspruch zur praktischen Erfahrung steht: Sowohl beim Umgang mit mobiler IT als auch beim Wohlfühlen ist dieser Typus noch nicht am oberen Ende der Skala angekommen (21,1 Prozent). Beim vierten Mobile-Work-Typ besteht in Bezug auf Aufgeschlossenheit, Kompetenzen und Wohlfühlfaktor noch Luft nach oben: 28,3 Prozent gehören zu diesen „Mobile Potentials“.

Mobil im Unternehmen, mobil unterwegs

Sechs von zehn Befragten arbeiten bereits mit mobilen Geräten, 2016 waren es laut einer Befragung unter Personalverantwortlichen 54 Prozent. Dabei arbeitet die größte Gruppe der Teilnehmer im eigenen Unternehmen und unterwegs mobil („Internal and External Mobile Worker“, 44,6 Prozent), 10,0 Prozent ausschließlich intern („Internal Mobile Worker“) und 6,0 Prozent ausschließlich extern („External Mobile Worker“). Deutlich weniger als die Hälfte der Beschäftigten arbeitet noch vorwiegend an einem stationären Arbeitsplatz („Stationary Worker“, 39,4 Prozent). 9 von 10 Befragten nutzen ihre Technik, also auch die mobile, in mehr als der Hälfte ihrer täglichen Arbeitszeit.

Teilgenommen haben an der fortlaufenden Studie im Februar und März 2017 bereits mehr als 1.000 Berufstätige. Von den Befragten ist fast jeder zweite angestellt und hat keine Personalverantwortung (48,5 Prozent). 27,3 Prozent arbeiten als Führungskraft mit Budget- und/oder Personalverantwortung und 14,9 Prozent gehören der Unternehmensleitung an. Während das Alter sehr gleichmäßig verteilt ist – ein Viertel der Befragungsteilnehmer ist jünger als 35 Jahre (25,7 Prozent), mehr als ein Drittel der Befragungsteilnehmer gehört der Generation 50plus an (34,3 Prozent) – sind Frauen (59 Prozent) etwas stärker vertreten als Männer. Die meisten Teilnehmer kommen aus der Verwaltungs- & Dienstleistungsbranche, dem Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege sowie den Branchen für Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse.

Nachhilfe in digitaler Sachkompetenz

Die Teilnehmer wurden in der Online-Befragung auch nach der eigenen Einschätzung ihrer Kompetenzen gefragt. Heraus kam, dass sie sich in Bezug auf die digitalen Sozialkompetenzen mit 82,7 Prozent sehr hoch eingeschätzt haben. Die digitalen Selbstkompetenzen sind weniger stark ausgebildet (bei 76,5 hoch). Den größten Aufholbedarf sehen die Teilnehmer aber bei den digitalen Sachkompetenzen: Nur 63,5 Prozent schätzen ihre Kompetenz hier hoch ein. Eine besondere Herausforderung stellt auch die Sicherung der Daten bei der mobilen Zusammenarbeit dar: 4,9 Prozent können dies gar nicht und 17,8 Prozent nur wenig.

Nicht leicht fällt es vielen Befragten, schnell eine Lösung bei technischen Problemen zu finden (4,5 Prozent gar nicht, 15,0 Prozent wenig). Die Aussage „Ich bin im Kontext digitaler Arbeit sicher im Umgang mit Fehlermeldungen und Manualen“ lehnen 3,7 Prozent vollständig (stimmt gar nicht) und 12,5 Prozent für sich größtenteils (stimmt wenig) ab. Und auch die flexible Zeiteinteilung mithilfe von mobilem Arbeiten will einigen nicht recht gelingen (7,2 Prozent gar nicht, 12,2 Prozent wenig).

Mobile Work – zwischen Zufriedenheit und Beanspruchung

Im Großen und Ganzen sind die Befragungsteilnehmer mit ihren Arbeitsbedingungen sehr zufrieden – insbesondere mit den Arbeitsergebnissen, den Aufgaben und den Arbeitsbeziehungen. Etwas schlechter wurden die Arbeitsmittel beurteilt, mit durchschnittlich 3,8 auf einer Skala von 1 für sehr unzufrieden bis 5 für sehr zufrieden. Gerade die Ergonomie kommt bei wechselnden Arbeitsorten zu kurz – oft ist das Mobiliar nicht optimal auf die Mobile Worker eingestellt. Gerade Laptop- und Smartphone-Nutzer leiden unter Beschwerden im Nackenbereich  durch die permanente Beugung des Kopfes.

Häufig berichten Mobile Worker von psychischen Beanspruchungssymptomen wie etwa innere Unruhe und Anspannung, vorzeitige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, gesteigerte Reizbarkeit und Nervosität. Und so ist es nicht verwunderlich, dass jeder dritte Befragte sehr bis teilweise unzufrieden ist mit der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Die permanente Erreichbarkeit über mobile Endgeräte erschwert die Abgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit – unbezahlte Überstunden und unsichtbare Mehrarbeit sind die Folge.

Arbeitgeber in der Pflicht

Aufgabe des Arbeitgebers ist es, optimale Rahmenbedingungen für die Mobile Worker zu schaffen. Immer mehr Beschäftigte fordern ein höheres Maß an Flexibilität ein. Dazu brauchen sie jedoch die passende technische Ausstattung und eine neue Vertrauens- und Führungskultur, die den Mobile Workern zugesteht, auch mal nicht erreichbar zu sein.

„Angesichts der allgemeinen Affinität für mobiles Arbeiten darf nicht übersehen werden, dass sich Menschen in ihren speziellen Bedürfnissen, ihr Arbeitsleben einzurichten, sehr unterscheiden “, kommentierte Prof. Dr. Jochen Prümper, Wirtschafts- und Organisationspsychologe an der HTW Berlin und Leiter der Studie „Mobile Work 2017“ die Ergebnisse. „Aber gerade das stellt sowohl den besonderen Reiz, als auch die besondere Herausforderung bei diesem Thema dar.“ „Mobiles Arbeiten kann nur dann greifen, wenn Organisationen auch die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür anbieten“, so Ralf Hocke, CEO von spring Messe Management, Veranstalter von Messen wie der PERSONAL Nord und Initiator der Studie. „Dies reicht von einer passenden technischen Ausstattung über flexible Arbeitsgestaltung und Personalentwicklung bis hin zu einer neuen Führungs- und Vertrauenskultur.“

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