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Mobil im Kopf, agil im Handeln: Zusammenarbeit neu entdecken

Laptop mit Statistiken

Foto: www.pexels.com

Das Thema „Agilität“ erfährt in den letzten Jahren eine hohe Popularität in der Managementliteratur und in der Praxis vieler Unternehmen. Agilität gilt als essentieller Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und damit letztlich für das Überleben eines Unternehmens. Nicht zuletzt durch eine immer schnellere Entwicklung von neuen Technologien, eine zunehmende Vernetzung der Wirtschaft und insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung aller Lebenswelten steigt die Unsicherheit und Komplexität für Unternehmen an. Der Autor und Internet Experte Tim Cole spricht in diesem Zusammenhang von Gewinnern und Verlierern der digitalen Transformation. Um zu überleben – so die Vermutung – müssen Unternehmen agil sein.

Agilität als Thema existiert seit fast 70 Jahre

Nun ist Agilität kein neues Thema, sondern existiert bereits seit fast 70 Jahren in unterschiedlichen Facetten und Ausprägungen Es erhält aber durch die Digitalisierung eine größere Bedeutung und eine hohe Aktualität! Allerdings bleibt der Begriff Agilität in Publikationen und im beruflichen Sprachgebrauch häufig nach wie vor unscharf – oder optimistischer ausgedrückt  – schillernd. Die Dresdener Wissenschaftler Kerstin Förster und Roy Wendler bemerken in ihrer Zusammenstellung von Theorien und Konzepten zu Agilität eine Vielfalt und Fülle von verschiedensten Ansätzen – die zudem im zeitlichen Verlauf Wandlungen unterliegen. Als Schnittmenge bzw. Kennzeichen der Agilität lassen sich jedoch „Zeit, Kosten, Kompetenz, Flexibilität und Qualität“ sowie „die reaktive und proaktive Reaktion auf Marktveränderungen unter dem Fokus der Kundenzufriedenheit“ festhalten.

Agilität ist kein neues Thema, es erhält durch die Digitalisierung Aktualität! #digitalisierung #zukunftderarbeit Klick um zu Tweeten

Das Institut für Personalforschung (IfP) an der Hochschule Pforzheim hat im Zeitraum Juli bis Oktober 2016 eine explorativ angelegte qualitative Studie durchgeführt. Dazu wurden in 15 Unternehmen verschiedener Größe aus unterschiedlichen Branchen in Deutschland 45 leitfadengestützte persönliche Interviews mit Personen aus der Geschäftsführung, aus HR sowie aus Fachabteilungen geführt. Alle Unternehmen hatten eines gemeinsam: Sie haben sich – wenn auch in sehr unterschiedlicher Intensität – mit dem Thema Agilität beschäftigt. Dabei hatten sich einige erste Gedanken zu Agilität gemacht, andere können als agile Unternehmen betrachtet werden.

Es gibt ein gemeinsames Kernverständnis von Agilität

Die Studie zeigt, dass es in der Praxis durchaus ein gemeinsames Kernverständnis von Agilität gibt. Es stehen vor allem Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit im Vordergrund. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede in der Gewichtung bzw. Bezugnahme auf agile Methoden (wie Scrum u. ä.). Für Unternehmen, die sich schon länger mit Agilität beschäftigen, geht Agilität über die Methoden hinaus und es rückt der Gedanke einer agilen Haltung (Mindset) in den Vordergrund. Als Gründe für die Auseinandersetzung mit dem Thema Agilität nennen die Unternehmen sowohl interne („Inwelt“) als auch externe („Umwelt“) Faktoren.

Für Unternehmen rückt der Gedanke einer agilen Haltung in den Vordergrund #digitalmindset Klick um zu Tweeten

Agilität wirkt sich scheinbar nicht nur auf externe Gegebenheiten aus, indem schneller auf Umweltveränderungen reagiert werden kann und Kundenwünsche besser erfüllt werden. Vor allem zeigen sich in der Studie auch Vorteile, die nach innen wirken. Hier ist insbesondere eine veränderte Führung mit mehr Offenheit und Transparenz zu nennen. Eng damit verknüpft findet sich eine veränderte Fehler- und Lernkultur. In diesem Setting geben Führungskräfte Verantwortung an ihre Mitarbeitenden ab und lassen Fehler zu.

Mobiles Arbeiten spielt in agilen Unternehmen eine große Rolle

Auch das Thema des mobilen Arbeitens oder weiter gefasst, das flexible Arbeiten, spielt in agilen Unternehmen eine große Rolle. Gerade bei den bereits sehr agilen Unternehmen sind diese Formen des Arbeitens (sei es zeitlich oder räumliche Flexibilität oder auch die Selbstorganisation der Arbeitslast, -inhalte und –verteilung) eine Selbstverständlichkeit. Sie werden zudem als essentiell angesehen, weil sie von den Mitarbeitenden in den Unternehmen auch als selbstverständlich erwartet werden. Dabei werden die unterschiedlichsten technischen Mittel zur Verfügung gestellt, um trotzdem Kollaboration zu ermöglichen. Interessant ist dabei, dass es dazu von Seiten der Unternehmen nicht unbedingt explizite Regelungen braucht.

Bei agilen Unternehmen ist mobiles Arbeiten eine Selbstverständlichkeit. #zukunftderarbeit #mobilemindset Klick um zu Tweeten

Etwas anders verhält es sich bei Unternehmen, die noch nicht ganz so agil aufgestellt sind. Hier findet man zwar auch Formen flexiblen Arbeitens. Diese sind aber etwas eingeschränkter. Als Ursachen dafür konnten zwei Felder identifiziert werden: zum einen fehlt an der ein oder anderen Stelle noch das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit flexiblen Arbeitens im agilen Umfeld. Zum anderen wird eine zu große Flexibilität als kritisch gesehen, wenn es um die Förderung von Kollaboration in den Teams geht. Diese – so die Auffassung – erfordert eine bestimmte Quote an gemeinsamer Präsenz. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn zum Entwickeln einer gemeinsamen agilen Haltung ist die persönliche Kollaboration förderlich!

Abschließend kann man sagen, dass mobiles Arbeiten in agilen Unternehmen selbstverständlich ist. Dazu braucht es aber kein Regelwerk. Die Teams organisieren sich selbst! Weniger agile Unternehmen setzen auf mehr Präsenz und wollen so durch Kollaboration die Entwicklung einer agilen Haltung fördern.


Über den Autor:

Fischer_Stephan_onlineProf. Dr. Stephan Fischer ist seit 2003 Professor für Personalmanagement und Organisationsberatung an der Hochschule Pforzheim. Aktuell befasst sich Stephan Fischer intensiv mit der Frage von Agilität in Organisationen. Ein Fokus ist dabei die Frage, inwieweit organisationale Gegebenheiten (z.B. der Struktur, Führung und Qualifikation) verändert werden müssen, damit sie sich förderlich für Agilität ausweisen. Zudem betrachtet er unter der Perspektive der organisationalen Transformation, wie typischerweise Veränderungsprozesse gestaltet werden müssen, um mehr Agilität in Organisationen zu erreichen.

Veranstaltungstipp:
Business & Science Connect: Mobil im Kopf, agil im Handeln: Zusammenarbeit neu entdecken
Podiumsdiskussion zum Thema Agilität in Unternehmen auf der PERSONAL2017 Nord.

Dienstag, 25. April 2017, 13:00 – 14:30 Uhr, Eventforum, Halle A4.

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1 Comment

  1. Und wieder fällt der Begriff „digitales Mindset“. Was erbedeutet bzw. wie er sicht definiert, haben sich inspirierte HR´ler beim letzten BarCamp einmal vorgenommen. Einblicke hier: https://persoblogger.wordpress.com/2017/03/19/definition-digitales-mindset-was-ist-das-und-welche-bedeutung-hat-es-fuer-personaler-und-bewerber/

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