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Norbert Janzen, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor von IBM Deutschland, auf der Zukunft Personal, Foto: Peter Porst

Wer die Messe Zukunft Personal in Köln besucht, sieht manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht: 15 Bühnen, 450 Vortragsslots und verschiedene weiter Networking-Hubs. Wir haben deshalb im Trendreport Zukunft Personal 2016 sechs Trends rund um das Top-Thema Arbeiten 4.0 komprimiert zusammengefasst und anhand von Praxisbeispielen veranschaulicht. Dabei kommen viele Akteure der Messe zu Wort – unter anderem Frank Riemensperger (Bitkom und Accenture), Prof. Dr. Stephan Fischer (Hochschule Pforzheim), Prof. Dr. Thorsten Petry (Hochschule RheinMain) Christoph Sieciechowicz, (Deutscher Crowdsourcing Verband e.V.), Rudolf Kast (INQA) und Norbert Janzen (IBM Deutschland). 

Trendreport #arbeitenviernull - Sechs Trends, die hinter dem Top-Thema stecken #ZP16 #ZukunftderArbeit Klick um zu Tweeten

#Trend 1: Cowork von Mensch und Maschine
Roboter als Kollegen prägen immer stärker unser Arbeitsumfeld – aus Robots werden Cobots. Prozesse laufen dabei meist halbautomatisiert ab. Entscheidungen werden von Maschinen vorbereitet und von Menschen getroffen. Exemplarisch lässt sich dies in der Personalgewinnung beobachten: Während Algorithmen die Vorauswahl übernehmen, bleibt das Bewerbungsgespräch und die finale Wahl der Kandidaten den Recruitern vorbehalten – noch. Bereits heute gibt es erste Versuche mit Robotern, die auch Interviews führen. „Robot-Recruiting“ in all seinen Formen bietet jedenfalls für Personaler klare Vorteile: Kandidaten erhalten rund um die Uhr ein schnelles Feedback, während sie selbst mehr Zeit für den persönlichen Austausch mit den Kandidaten, das Talent Relationship Management oder strategische Fragen haben.

#Trend 2: Kulturwandel – agil und anpassungsfähig werden 
Sensoren, Business Analytics, Displays, Mensch-Maschine-Schnittstellen – Unternehmen müssen sich heute ständig hinterfragen und überlegen, inwiefern neue digitale Geschäftsmodelle ihre Existenz gefährden. Die Veränderung in Unternehmen wird hochfrequenter. Deshalb ist Agilität gefragt: Unternehmen übertragen Methoden der Softwareentwicklung auf ihre Organisationsstrukturen, um schneller auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Doch auch agile Methoden sind kein Allheilmittel: Sie sind dann das bessere Organisationsprinzip, wenn Unternehmen einem disruptiven Wandel unterliegen. In einem stabilen Umfeld können sie aber auch von Nachteil sein.

#Trend 3: Digital Leadership – Experimente bitte! 
Vertrauen reduziert Komplexität. Die Erkenntnis des Soziologen Niklas Luhmann ist aktuell die neue Leitlinie für Führung. Führungskräfte sollen auf die Partizipation jedes einzelnen Mitarbeiters hinwirken, als Vorbild und Coach. Dazu lassen sich immer mehr Arbeitgeber auf Experimente ein, testen in einzelnen Teams pilotartig neue Formen von Führung und tragen erfolgreiche Ansätze in die Breite. Ein weiterer Aspekt: Entscheidungsfindung basiert zunehmend auf Zahlen, Daten, Fakten – und immer weniger auf Hierarchien. „Predictive Analysis“ sagen voraus, wann Beschäftigte das Unternehmen verlassen könnten und ein Mitarbeitergespräch sinnvoll wäre. Auch die Strategien für Diversity und Inklusion können auf Datenanalysen beruhen. Die Zahlen geben den Managern viele Dinge vor, egal ob sie das gut finden oder nicht. Durch Feedback-Tools wie kununu & Co steht ihre Arbeit auf dem Prüfstand.

#Trend 4: Liquid Workforce – Innovationen aus der Crowd
Arbeitnehmer fordern heute mehr Flexibilität. Diese Haltung befeuert unter anderem das sogenannte Crowdworking: Über Plattformen schreiben Unternehmen verschiedenste Aufgaben aus – von anspruchslosen Micro-Tasks bis hin zu Forschungs-, Entwicklungs- oder Designaufgaben. Unternehmen bieten sich dabei insbesondere spannende Möglichkeiten im Innovationsmanagement. Doch die Diskussionen auf der Zukunft Personal legen nahe: Nur wenn Arbeitgeber, Gewerkschaften, Politik, Plattformen sowie die User selbst an einem Strang ziehen und gemeinsam die Zukunft des Crowdworking gestalten, werden sie die Potenziale bestmöglich heben und die Risiken für alle Seiten mindern können. Gleichzeitig macht sich das Prinzip der Weisheit von Vielen auch in den Unternehmen selbst breit, interne und externe Netzwerke können die Organisationsstruktur der Zukunft werden.

#Trend 5: Weiterbildung – Digitales Mindset erleben
Personalexperten sind sich einig, dass künftig alle Berufsfelder eine digitale Komponente haben werden und Mitarbeiter dafür ihre Kompetenzen weiterentwickeln müssen. 80 Prozent der Beschäftigten teilen diese Auffassung laut der aktuellen Studie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Auftrag gegebenen hat. Im Zuge der Digitalisierung sind jedoch nicht nur neue Lerninhalte vonnöten – auch die Lernmethoden wandeln sich. Mit Datenbrillen bekommt der Mitarbeiter in der Produktion die Schweißvorlagen skizziert, die er ausarbeiten soll. In Sachen Wissensarbeit wiederum treten derartige Assistenzsysteme in Form von Siri, Alice & Co auf den Plan: Computerprogramme oder Apps entwickeln sich zunehmend zu persönlichen Lehrern. Derweil üben Unternehmen andere neuartige Lernformaten, bei denen Mitarbeiter ein digitales Mindset direkt erleben sollen.

#Trend 6: Employee Experience – der zufriedene Mitarbeiter
Wie glücklich und zufrieden sind Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz? Diese Frage hat Arbeitgeber früher nicht besonders interessiert. Doch zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter sich positiv auf Leistungsfähigkeit, Produktivität, Engagement und Kreativität von Unternehmen auswirkt. Der Spaßfaktor wird folglich bei vielen Ansätzen von „New Work“ großgeschrieben. Selbstverständlich bemühen sich Arbeitgeber nicht aus reiner Selbstlosigkeit um die Mitarbeiter, sondern weil davon beide Seiten etwas haben. In der Praxis zeigt sich häufig: Solange die Mitarbeiter von mehr Spaß, Selbstbestimmung oder gesünderen Arbeitsbedingungen profitieren, haben sie gegen eine solche Win-Win-Situation nichts einzuwenden. Arbeitgeber können vermutlich nur auf diese Weise hochqualifizierte Fachkräfte gewinnen und in ihren Organisationen halten.

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