Burnout-Prävention: Den ganzen Müll mit Yoga aus dem Körper spülen

Angelika Ahrens-Gutenbrunner. Quelle: privat

Dass Stress nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf die Gesundheit schlägt, weiß Angelika Ahrens-Gutenbrunner nur zu gut. Die ORF-Journalistin ist Dauerbelastung und nur wenig Freizeit gewohnt – eigentlich Vorboten von Burnout und Kräfteschwund. Doch die „€co“-Moderatorin, seit mehr als 20 Jahren im Beruf, ist mit sich selbst völlig im Reinen und noch dazu tiefenentspannt.

Wie das? Um Stress auszugleichen, nutzt sie die Kraft der Meditation und des Yoga, hat sogar neben ihrem Beruf eine Ausbildung zur Yoga- und Antistresstrainerin absolviert. Ihre Expertise gibt sie seit vier Jahren auch an ihre ORF-Kollegen weiter: Unter dem Titel „Fit und belastbar im Job“ bietet sie einen Workshop zur Burnout-Prävention an, aus dem sie im November auch auf der Personal Austria einen Auszug präsentiert.

Mit welchen Kniffen wir einem anstrengenden Arbeitstag vorbeugen, neue Energie tanken und entspannen können, hat sie uns vorab in einem Interview verraten.


Frau Ahrens-Gutenbrunner, als Journalistin müssen Sie stets auf Zack sein. Ständiges Reisen und Dauerstress sind Teil des Arbeitsalltags. Was tun sie, um sich von diesen Anstrengungen zu erholen?

Am liebsten suche ich die Nähe zur Natur. Da habe ich mit meinem Arbeitsplatz großes Glück: Ich spaziere vor und nach Arbeit regelmäßig durch den Tiergarten ganz in der Nähe vom Sendegebäude oder durch den Park von Schloss Schönbrunn. Wenn ich die Tiere sehe und die Natur genießen kann, fällt mir das Abschalten leichter.

Kurze Momente des Innehaltens kann ich aber auch im Büro schaffen: Zum Beispiel auf dem Weg in ein anderes Büro mit einer Geh-Meditation – eine sehr effiziente Methode, um innerhalb weniger Minuten den Kopf wieder freizubekommen.

Die Welt der Arbeit verändert sich stark. Sie bringt zwar viele Vor-, aber durch ihre Schnelllebigkeit auch Nachteile mit sich. Spüren Sie das auch in Ihrem Beruf?

Das Problem ist, es prasselt immer mehr auf einen ein – nehmen wir die Emails beispielsweise. Ich selbst bekomme 500 Mails pro Woche. Die Zeit, die ich allein zum Löschen brauche, ist fehlende Zeit, in der ich mich mit spannenden Inhalten beschäftigen könnte. Dauernd bist du gefordert, denn auch über andere Kanäle kommen noch wahnsinnig viele Infos rein. Irgendwann muss man das mal neutralisieren, um Platz zu schaffen für Neues, um wieder neue Energie und neue Kreativität zu tanken.

Wenn Sie einmal nicht die Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang haben oder das Wetter nicht mitspielt, was hilft Ihnen dann durch den Tag?

Alles was an Anspannung da ist, fließt ja in die Muskulatur, in alle Lagen des Körpers hinein. Mein Allheilmittel dafür ist Yoga. Es gibt viele wunderbare Übungen, die sich mit dem Spruch „getting the issues out of the tissues“ ganz gut beschreiben lassen. Damit spült man den ganzen Müll, alles was negativ, ärgerlich oder anspannend ist aus dem Körper und das innerhalb kürzester Zeit. Damit und einer 15-Minuten- Meditationseinheit am Tag bin ich schon gut gerüstet.

Getting the issues out of the tissues: Negativität aus dem Körper verbannen - mit #Yoga und #Meditation. Klick um zu Tweeten

Auch in der restlichen Arbeitswelt abseits des Journalismus wird das Tempo immer stärker angezogen. Die Krankentage in Unternehmen steigen, Burnouts sind keine Seltenheit mehr. Wie kann man sich diesem Teufelskreis entziehen?

Indem ich mir selber Grenzen setze. Aber da muss ich stark sein und wissen wo ich gerade stehe. Wenn ich in meiner Mitte bin, kann ich eher „Stopp“ sagen, als wenn ich einfach mitschwimme und alles mit mir machen lasse. Damit ist am Ende aber keinem gedient. Wenn ich mich nicht mehr wohl fühle, Sachen die mir wichtig sind oder Freunde vernachlässige, dann sind das erste Anzeichen, auf die man unbedingt hören sollte.

Sie haben scheinbar auf sich und Ihren Körper gehört: Sie haben vor einigen Jahren Ihren Lebensstil radikal umgestellt. Was war der ausschlaggebende Punkt?

Eigentlich wollte ich einfach nur zwei, drei Kilo abnehmen. Dabei habe ich rausgefunden, welche Lebensmittel gut für mich sind und daran halte ich mich seit dem. Ich selbst schwöre morgens auf mein warmes Müsli, das regt die Verdauung an und ist mittlerweile ein ganz wichtiger Baustein meiner Ernährung. Statt Schokolade, snacke ich Obst oder Nüsse, wie Kürbiskerne. Die liefern nämlich Powerstoffe fürs Gehirn, genau wie Hirse, Haferflocken und Weizenkeime.

„Du bist was Du isst“, das Sprichwort stimmt. Der Darm ist an der Rückenmuskulatur aufgehängt und wenn wir unserem Körper etwas schlechtes zuführen, dann zahlt er uns das beispielsweise mit Rückenproblemen oder Verspannungen zurück und sagt irgendwann: „Hey, gib mir was ordentliches!“ Wenn man sich bewusst macht, was man da zu sich nimmt und wie gut es einem tut, dann geht es mit der Umstellung sehr schnell.

In Kombination mit Yoga, auf das ich per Zufall im Fitnessstudio gekommen bin, fühle ich mich jetzt richtig wohl. Yoga hat es auf Anhieb geschafft, mir innerhalb einer Stunde eine neue Energie zum Bäume ausreißen zu verleihen und den Kopf frei zu machen. Es ist eine Technik, die sofort wirkt, daher nenne ich es auch immer Instant-Yoga.

Was geben Ihnen die Lehren der Yoga-Schule fürs Leben mit? Ist das für jeden etwas?

Definitiv! Die Art von Yoga die ich mache, hat nicht viel mit den Verrenkungen zu tun, von denen man so hört. Ich praktiziere „Kundalini-Yoga“, was übersetzt nichts anderes heißt, als die Energie, die im unteren Teil des Rückens sitzt, aufzuwecken. „Kundalini“ ist die Mutter aller Yogaarten, für die kein Vorwissen nötig ist. Es sind einfache Übungen, die Frauen wie Männer machen können und überwiegend in Richtung Ausdauer gehen.

Corporate Health: Den ganzen Müll mit Yoga aus dem Körper spülen

Angelika Ahrens-Gutenbrunner. Quelle: privat

Es sind Übungen, die unser Nerven- und Drüsensystem stärken. Mit jeder einzelnen Stunde fokussiert man sich auf ein Organ, die Nieren und Nebennieren zum Beispiel, die gerade bei Stress stark gefordert werden. Sie schütten Unmengen an Adrenalin aus, das den Körper vergiftet und von dem wir müde und/oder gereizt werden.

Die Leute in meinem Kurs beim ORF kommen aus allen Bereichen des Unternehmens: Sekretärinnen, Redakteure, Regisseure, Controller, Techniker bis hinauf in die Management-Ebenen. Oft sind auch Wiederholungstäter dabei. Das schönste für mich ist, wenn Leute sagen: „Ich habe mich tatsächlich am nächsten Tag besser konzentrieren können“ oder „ich habe schon lang nicht mehr so gute Leistungen erbracht“. Es zeigt ganz deutlich, dass man danach viel leistungsfähiger ist und sich besser konzentrieren kann.

Unlängst habe ich auch eine spannende Harvard Studie gelesen, die besagt, dass 43 Prozent der Kosten fürs Gesundheitssystem angeblich sinken könnten, wenn jeder Yoga und Meditation machen würde. Auch bei uns in Europa werden Yoga-Stunden bereits von vielen Krankenkassen übernommen.

Seit wann geben Sie selbst solche Kurse und welche speziellen Techniken wenden Sie dabei an?

Seit 1999 mache ich Yoga und war total überrascht, dass ich schon während der ersten Stunde in kürzester Zeit Energie und den Kopf frei bekommen konnte. Das wollte ich dann gerne vertiefen und schauen, warum das so gut wirkt. 2006 habe ich die Ausbildung zur Yoga-Lehrerin gemacht und mir im Laufe der Jahre weitere Fertigkeiten angeeignet. Bei einem Kongress in New York habe ich zum Beispiel spezielle Atemtechniken gelernt, darüber hinaus noch eine spezielle Kinder-Yoga-Ausbildung absolviert.

Die Yoga-Übungen, die ich mache und in den Workshops zeige, wenden auch viele Physiotherapeuten an. Neben simplen Übungen für den Rücken und die Ausdauer mache ich auch oft Atemtraining. Denn vielen ist gar nicht bewusst, dass sie völlig falsch atmen. Wir sollten alle mehr in den Bauch atmen, weniger oben in den Brustbereich, denn das löst verstärkt Stress aus. Wenn man dagegen in den Bauch atmet, kann man besser mit Stress umgehen und bleibt fokussierter.

Interessant ist, dass scheinbar auch schon die ersten Regierungen auf diese Erfolge reagieren: Australien etwa ist der erste Kontinent, auf dem Atemtrainings von den Krankenkassen übernommen werden. Es ist sogar erwiesen, dass richtiges Atmen chronische Krankheiten heilen kann.

Sie sind Journalistin und Yoga-/ Antistresstrainerin zugleich. Zwei Berufe, die man auf den ersten Blick eher als gegensätzlich einschätzt. Wie passt das zusammen?

Eben weil ich selbst sehr viel Stress habe. Die meiste Zeit arbeite ich für die aktuellen Nachrichten, dann kommen oft Meldungen noch sehr spät herein, oder ich muss innerhalb einer Stunde eine neue Geschichte machen. Sie sehen also: Es ist ein rasanter Beruf, in dem es schnell anstrengend werden kann. Ich hab meinen perfekten Ausgleich im Yoga gefunden.

Jeder muss sich etwas suchen, um mit Stress klar zu kommen. Im Journalismus fließt viel Adrenalin, da ist man immer Feuer und Flamme, aber man kann das nicht über Jahre hinweg dauernd köcheln lassen. Entspannungsphasen zwischendurch sind da immens wichtig, sonst sind wir nicht mehr fähig, das zu leisten, was wir leisten müssen. Regenerationsphasen sind ein Muss – ich finde diese in der Natur, der Meditation, im Yoga und ganz besonders auch in der Musik.

Welche Musik zum Beispiel?

In meiner Zusammenarbeit mit Hirnforscher Prof. Dr. Ernst Pöppel und Antistresstrainer Dr. Stefan Rechtschaffen habe ich gelernt, dass wir im Laufe unseres Lebens viele Ängste entwickeln, auch im Berufsleben. Ängste erzeugen Stress. Mit Musik kommt man wunderbar dagegen an. Darum habe ich mich dann auch viel mit dieser Art der Stressbewältigung beschäftigt und damit, welche Musik laut Hirnforschung am besten wirkt, wenn man einen stressigen Tag haben wird oder hatte. Wer etwa akuten Stress abbauen möchte, greift laut Hirnforschung am besten zu W. A. Mozarts Klaviersonate Nr. 331 in A-Dur. Um Stress vorzubeugen empfiehlt sich Pachelbels Kanon in D-Dur.


Wieso hilft Musik so gut beim Stressabbau?

Musik wirkt deshalb so schnell und so gut, weil das Ohr als Sinnesorgan des Menschen als erstes entwickelt wurde und daher die Musik sofort ins emotionale Zentrum des Gehirns geht.

Im Endeffekt geht es um Rhythmus. Wir tragen von Natur aus einen Rhythmus in uns, aber vieles bringt uns wieder raus – etwa die 500 Mails die ich pro Woche bekomme – und wir brauchen etwas, dass uns wieder zurück in die Spur bringt. Das kann zum Beispiel Musik sein, die einen bestimmten Rhythmus hat. Gewisse Lieder funktionieren auf der ganzen Welt gleich. Die eben genannten Stücke haben beispielsweise alle weniger als 68 Schläge pro Minute, das ist in der Regel weniger als der Herzschlag und wirkt deshalb auch so beruhigend.

Es ist aber nicht nur die Musik, die uns zurück in den Takt bringt. Das kann unter anderem auch Tageslicht sein: 15 Minuten am Tag an der frischen Luft können uns auch wieder „back on track“ bringen.

Mit #Mozart und #Pachelbel gegen den Stress - Musik bringt uns wieder 'back on track' Klick um zu Tweeten

Sie werden Ihren Workshop auch auf vorm HR-Fachpublikum der Personal Austria abhalten. Was haben Sie mit den Besuchern vor? Was können Teilnehmer mitnehmen?

Mein Workshop ist aufs Erfahren, das Selbstausprobieren ausgelegt. Teilnehmer nehmen hoffentlich das Bewusstsein mit, dass man etwas für sich machen kann und muss, also Hilfe zur Selbsthilfe quasi. Ich zeige Übungen, die die Konzentration schärfen und die jederzeit und überall durchgeführt werden können, auch im Businessoutfit. Dazu kommen noch Tipps und Tricks, wie man frische Energie schöpft und den Kopf frei bekommt sowie beruhigende Atemübungen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Charlotte Lisador


–Veranstaltungstipp–

Workshop mit Angelika Ahrens:
Fit und belastbar im Job – Workshop von und mit ORF-Moderatorin Angelika Ahrens
Personal Austria, Messe Wien, Halle A, Stage II
Donnerstag, 10. November 2016, 14.00 Uhr bis 14.30 Uhr.

Burnout-Prävention: Den ganzen Müll mit Yoga aus dem Körper spülen

€co-Moderatiorin Angelika Ahrens-Gutenbrunner. Foto: ORF/Hans Leitner.


Zur Person:

Angelika Ahrens-Gutenbrunner, MAS, ist eine österreichische Fernsehjournalistin und Moderatorin. Nach Abschluss ihres Journalistik-Studiums an der Donau-Universität Krems kam sie 1994 zum ORF. Seit Oktober 2002 moderiert sie dort das Wirtschaftsmagazin „€co“. Außerdem präsentiert sie die Börseninformationen in der Mittags-ZiB um 13.00 Uhr. Im Frühjahr 2013 tanzte sie in der achten Staffel von „Dancing Stars“, bei der sie den vierten Platz belegte.

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