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Was können Menschen besser als Roboter?

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Fähigkeit von Menschen: komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche reduzieren – Foto: gratisography.com

Viele Medien beschäftigen sich aktuell mit der Frage, welche Dinge Computer, Algorithmen oder Roboter besser können als Menschen. Sie fragen, welche Arbeitsplätze zukünftig verdrängt werden – und schüren damit die Angst vor unseren (künftigen) neuen Kollegen. Doch was beherrschen Computer tatsächlich besser als wir? Sie können besser Schach spielen, Gesichter erkennen und vermutlich demnächst auch besser Auto fahren – eine notwendige Vorbedingung für das komplett „fahrerlose Auto“. Welche Fähigkeiten Roboter dafür mitbringen und wo die Grenzen ihres Könnens liegen, umreißt dieser Gastbeitrag.

#Digitalisierung 42 Prozent der #Berufe weisen „technisches Automatisierungspotential“ auf @Aschenbrennerin Klick um zu Tweeten

Eine amerikanische Studie (Frey, Carl Benedikt, and Michael A. Osborne: „The future of employment: how susceptible are jobs to computerisation“) aus dem Jahr 2013 behauptet, dass jeder zweite amerikanische Arbeitsplatz innerhalb der nächsten 20 Jahre dem Risiko ausgesetzt sei, durch Automatisierung und Digitalisierung wegzufallen oder sich strukturell stark zu wandeln. Die Ergebnisse lassen sich auch auf Europa übertragen (Bonin, Holger, Terry Gregory, and Ulrich Zierahn: „Übertragung der Studie von Frey/Osborne (2013) auf Deutschland“, ZEW Expertises ). In Deutschland weisen 42 Prozent der Berufe „technisches Automatisierungspotential“ auf – und zwar vor allem bezogen auf Tätigkeiten und nicht auf die Berufe an sich. Klar ist: Die „einfachen“, sich wiederholenden, stark an einem Muster ausgerichteten Tätigkeiten werden wegfallen – über alle Berufsfelder hinweg.

Das macht den „Kollegen Roboter“ zu einer Bedrohung, denn er arbeitet mit einem Stundenlohn von 3 bis 6 Euro etwa zehnmal günstiger als sein nach Metalltarif bezahlter menschlicher Kollege. Auch das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung teilt die Ansicht und prognostiziert (Wolter, Marc Ingo, et al.: „Industrie 4.0 und die Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft“, Szenario-Rechnungen im Rahmen der BIBB-IAB-Qualifikations-und Berufsfeldprojektionen. IAB-Forschungsbericht) einen Arbeitsplatzabbau durch Industrie 4.0 von 60.000 Stellen. Genauer gesagt werden diesen Kalkulationen zufolge bis 2025 mehr als 490.000 bisher bestehende Arbeitsplätze verloren gehen, jedoch auch 430.000 neue entstehen.

Was können Computer besser als Menschen? Mehr Daten in kürzerer Zeit verarbeiten #arbeiten40 @Aschenbrennerin Klick um zu Tweeten

Maschinen können schon seit langem bestimmte Dinge besser als wir Menschen: Meist beherrschen sie eine spezielle Tätigkeit schneller oder präziser. Ein gutes Beispiel ist das Antiblockiersystem ABS – es bremst besser als wir, aber wir fühlen uns dadurch nicht bedroht.

Das Neue an Computern ist nun, dass sie nicht nur eine Sache besser können, sondern gleich viele Dinge auf einmal. Der digitale Wandel erfasst die gesamte Gesellschaft, beschleunigt sich immer weiter und wir haben das Gefühl, abgehängt zu werden. Dabei schwingt die Befürchtung mit, dass die Maschinen und Roboter irgendwann „alles“ besser können und womöglich echte Intelligenz besitzen und diese der menschlichen sogar überlegen ist. Angst schüren zudem Science-Fiction-Filme, in denen Roboter immer realistischer bzw. menschenähnlicher erscheinen. Und auch Medienberichte und Marketingstrategien zielen in diese Richtung. Vor diesem Hintergrund warnt Gill. A. Pratt, der ehemalige Leiter des Roboter-Programms im amerikanischen Militärforschungszentrum „Darpa“ (Pratt, Gill A., 2015: „Is a Cambrian Explosion Coming for Robotics?“ Journal of Economic Perspectives)  vor „künstlicher Intelligenz“. Tesla-Gründer Elon Musk gründet jetzt gar das „Open AI“ (How Elon Musk and Y Combinator Plan to Stop Computers from taking over), ein gemeinnütziges Unternehmen, das die Weltherrschaft von Roboter verhindern soll.

Dabei ist der Begriff „künstliche Intelligenz“ eine nicht ganz zutreffende Übersetzung aus dem Englischen: Mit „artificial intelligence“ ist eigentlich eher „künstliche Datenverarbeitung“ gemeint. Denn genau das ist es, was Computer im Vergleich zu uns Menschen auszeichnet: Sie können wesentlich mehr Daten in wesentlich kürzerer Zeit verarbeiten. Und vielleicht gehört es zum aktuellen digitalen Zeitgeist dazu, dass auch wir Menschen uns darauf reduzieren. Doch da sei die Frage erlaubt: Sind wir selbst tatsächlich nichts anderes als sehr leistungsfähige Computer irgendwo in unserem Kopf? Ist das wirklich alles?

#Arbeitenviernull Menschliche Intuition ist Computern bislang überlegen @Aschenbrennerin Klick um zu Tweeten

Dem würde ich widersprechen. Denn Computer und Roboter können – bis auf weiteres – nicht wirklich „denken“, nicht emotional reagieren und sie besitzen keine Kreativität. Es sind die „Soft Skills“ die uns unterscheiden – und die werden in Zukunft deshalb eine noch größere Rolle spielen als heute. Können Sie sich ein Computerprogramm vorstellen, das Einfühlungsvermögen besitzt und dem man vertraut? Die menschliche analytische Kompetenz beruht auf der Fähigkeit, einen komplexen Zusammenhang auf das Wesentliche herunter zu brechen, anstatt sich im Detail zu verlieren. Unsere „Intuition“ ist Computern bislang überlegen. Die Fähigkeit, „anstrengenden Dinge“ in der Arbeitswelt zu meistern  – wie etwa einen Konsens im Team herzustellen oder die unvermeidliche Konflikte im Arbeitslebens zu lösen – werden uns auch in Zukunft von der Maschine abheben.

Roboter können die „einfachen Dinge“ besser als wir, die „schwierigen“ aber noch lange nicht. Wie sich dies längerfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, ist allerdings bislang noch Spekulation. Allein, die industriellen Revolutionen eins bis drei haben trotz aller Befürchtungen letztlich zu mehr Beschäftigung geführt.

Über die Autorin

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Foto: Susie Knoll

Doris Aschenbrenner (geb. 1986) ist Diplominformatikerin mit dem Schwerpunkt Robotik und promoviert derzeit am Zentrum für Telematik der Uni Würzburg  zum Thema Mensch-Roboter-Interaktion. Als weiblicher „Nerd“ bewegt sie sich gern auf der öffentlichen Bühne: Die netzpolitische Sprecherin der Bayern SPD hält Vorträge und nimmt an Podiumsdiskussionen teil – und beriet beispielsweise schon den ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude. Zudem ist Doris Aschenbrenner unter anderem Vorstandsmitglied im Bezirksjugendring Unterfranken, aktiv in vielen Verbänden wie beispielsweise der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) und Jurymitglied bei Jugend Forscht, First Lego League und JuFinale. 2017 möchte die 30-Jährige in ihrer oberfränkischen Heimat Coburg als Bundestagsabgeordnete kandidieren.

Treffen Sie Doris Aschenbrenner auf der Zukunft Personal: In ihrem Vortrag „Wer kann was besser: Mensch oder Maschine?“ skizziert sie am Mittwoch, 19. Oktober 2016 um 16.30 Uhr den aktuellen Stand der Roboter-Technik und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.

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1 Comment

  1. interessanter Beitrag, ich habe mich auch auf meinem Blog beschäftigt:
    http://automatisiertes-auto.de/

    Viele Grüße

    Jürgen Vagt

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