Zukunft Personal Blog

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OMG, die Stellenanzeige geht ja gar nicht! Oder doch?

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Foto: Personalmarketing der Metzgerei Hack

Personalwerbung ist in den allermeisten Fällen langweilig! Karriere-Websites folgen Schema F, weil Texte so lange im Kreis durch das Unternehmen geschickt werden, dass am Ende wirklich alle „damit leben“ können und ja keine Kommunikationsrichtlinie verletzt wird. Fotos zeigen fröhliche Menschen an aufgeräumten Arbeitsplätzen oder es werden – schlimmer noch – Stockfotos und immer gleiche Standardschlagworte zu einem Brei verkocht, der jegliche Ecke und Kante nimmt, jede Unterscheidungsmöglichkeit unmöglich macht.

Das Problem dabei: Employer Branding bringt nichts, wenn Branding am Ende eben nicht zur Differenzierung führt und die Chance zur „eindeutigen Positionierung“ der jeweiligen Arbeitgebermarke INKLUSIVE der Abgrenzung und Unterscheidung von anderen Arbeitgebermarken ungenutzt bleibt. Denn DAS ist Sinn und Idee des Brandings

#Employerbranding bringt nichts, wenn sich Arbeitgeber damit nicht von anderen unterscheiden @recrutainment Klick um zu Tweeten

Wenn ein Viehbesitzer seinem Tierbestand ein Brandzeichen verpasst (ein „Branding“), dann dient dies dazu, dass man die eigenen Tiere von denen anderer Viehbesitzer unterscheiden kann. Man spricht hier nicht umsonst von „brandmarken“. Wenn alle das gleiche oder zum Verwechseln ähnliche Brandzeichen verwenden, wird der Sinn ad absurdum geführt.

Und so stellt sich heute oftmals die Situation wie folgt dar: Alle rufen nach Marke, nach Branding, aber keiner traut sich Differenzierung wirklich zu (obwohl das wie gesagt der Kern von Branding und Marke ist). Allzu oft begegnet uns eine Aussage wie:

„Seien wir mal „anders“! Damit ist dann meist konkret gemeint: „Aber nicht sooo anders!“…

Machen Sie sich mal den Spaß und zählen einfach auf den Karriere-Websites der DAX 30 Unternehmen durch, welche Unternehmen alle für sich in Anspruch nehmen „leidenschaftlich“ zu sein…

Und das gilt natürlich nicht nur für Karriere-Websites, sondern für Flyer, Broschüren, Messestände und insbesondere für Stellenanzeigen! Gerade Stellenanzeigen böten eigentlich ein großes Potential zur Unterscheidung, kann man doch hier ganz gezielt auf die individuellen Gegebenheiten einer konkreten Stelle, eines konkreten Arbeitsumfelds in einer ganz konkreten Abteilung mit ganz spezifischen Anforderungen eingehen. Der Messestand muss möglicherweise das ganze Unternehmen mit all seiner Heterogenität abbilden, die Stellenanzeige nicht…

Um aufzufallen, muss man die immer gleichen Floskeln und Stockfotos überwinden.

#Employerbranding Um aufzufallen, muss man die immer gleichen Floskeln und Stockfotos überwinden @recrutainment Klick um zu Tweeten

Das heißt aber unter Umständen auch, dass man die Grenzen der Political Correctness mindestens austestet, möglicherweise sogar überschreitet. Die Frage ist nur: Wo verlaufen diese Grenzen eigentlich? Was ist mutige und zudem auch noch „gute“ Personalwerbung? Was ist (un)billige Effekthascherei, die nicht nur gegen den guten Geschmack verstößt, sondern möglicherweise auch ein Fall für die Rechtsabteilung werden kann?

Ich habe vor einigen Jahren angefangen, im Recrutainment Blog „Fundstücke“ zu sammeln, die auf den ersten Blick die Reaktion „Oh my God, das geht ja gar nicht!“ hervorrufen dürften. Darunter fallen Kuriositäten und Missgeschicke der Personalkommunikation und -gewinnung – man denke nur an den legendären „Wein-Somalier“, den REWE kürzlich per Stellenanzeige suchte oder den Job auf 450.000 Euro-Basis. Vor allem aber ist diese Rubrik für mich ein Sammelbecken an Beispielen, die ich für „herausragend“ halte – und zwar im positiven wie im negativen Sinne. Und: Sehr oft sind es Fundstücke, von denen man etwas lernen kann und sollte. Sei es weil hier jemand besonders kreativ um die Ecke gedacht hat (schon vom „trojanischem Personalmarketing“ gehört…?) oder sei es weil man an dem Beispiel sehr gut einen Diskussionsbeitrag zu einer gesellschaftlich diskutierten Frage festmachen kann. Nicht von ungefähr drehen sich einige Fundstücke um die Themen Diskriminierung und Sexismus

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…oder um Fragen der Integration und Willkommenskultur…

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Foto: Vodkaria Leipzig

Am Dienstag, 18. Oktober,  um 16 Uhr werde ich auf der Messe Zukunft Personal (Köln) in einer Session der Blogger-Lounge einige Beispiele aus dem Kuriositäten-Kabinett des Personalmarketings vorstellen. Erwarten Sie keine fertigen Antworten, aber hoffentlich eine lebhafte Diskussion…


Über den Autor

Jo-Diercks_onlineJoachim Diercks ist Geschäftsführer der CYQUEST GmbH – The Recrutainment Company. Er ist Gastdozent für Personalmanagement und webgestützte Eignungsdiagnostik an der Hochschule Fresenius in Hamburg. Diercks studierte BWL an den Universitäten Hamburg und Berkeley und ist Autor verschiedener Fachartikel sowie regelmäßiger Referent bei Fachkongressen zu E-Recruiting- und Social Media-Themen. Er bloggt unter http://blog.recrutainment.de und twittert unter http://twitter.com/recrutainment.

 

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1 Comment

  1. Ein sehr erfrischender Beitrag, schade, dass ich am 18.10. nicht dabei sein kann. Ich komme erst am 20.10. zur Blogger Lounge. Ich wünsche eine gute Zeit und viele interessierte Zuhörer/innen!

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