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Mobiles Arbeiten ist kein „Walk in the Park“

Arbeiten im Park, im Café, von zuhause oder auf Reisen – so stellen sich viele die Zukunft des mobilen Arbeitens vor. Doch wie sieht die Realität aus? Weit weniger idyllisch, aber dennoch vielversprechend für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Die Anforderungen an Beschäftigte steigen, aber die Arbeitsqualität und die Zufriedenheit ebenso. Das sind erste Ergebnisse der Studie „Mobiles Arbeiten“, einer gemeinsamen Initiative des Messeveranstalters spring Messe Management, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sowie dem Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie (bao GmbH).


Wer von mobiler Arbeit spricht, denkt meist an Bürojobs und Wissensarbeit – vom Softwareentwickler über Projektmanager bis hin zu Mitarbeitern in Marketing und Kommunikation. Doch die Einsatzszenarien sind heute weit umfangreicher. Ärzte führen die Tablet-gestützte Arztbesprechung am Patientenbett durch, Pflegepersonal setzt Apps in der ambulanten Demenzbetreuung ein und auch die Maschinensteuerung in der Fabrik erfolgt inzwischen oft mobil. Piloten führen einen „elektronischen Pilotenkoffer“ mit sich, der Handbücher, Wetterkarten und Navigationshilfen auf Papier ersetzt, und Fernfahrer managen mit speziellen LKW-Apps ihre Lenk- und Ruhezeiten. Sogar im Handwerk ist das Outdoor-Smartphone gang und gäbe.

Bereits mehr als die Hälfte der Beschäftigten (54 Prozent) sind vorwiegend oder sogar ausschließlich mobil an wechselnden Arbeitsplätzen tätig, so ein zentrales Ergebnis der Studie „Mobiles Arbeiten“.

Mobile Worker arbeiten innerhalb und außerhalb des Unternehmens

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Foto: Prof. Dr. Jochen Prümper (PERSONAL Süd – Jack Tillmanns)

Größtenteils gehen Mobile Worker innerhalb und außerhalb des Unternehmens an wechselnden Arbeitsplätzen der mobilen Tätigkeit nach („Internal and External Mobile Worker“, 29 Prozent). Deutlich weniger Mitarbeiter arbeiten vorwiegend innerhalb des Unternehmens mobil („Internal Mobile Worker“, 14 Prozent) und vorwiegend außerhalb des Unternehmens an wechselnden Arbeitsplätzen („External Mobile Worker“, 11 Prozent). Nicht einmal mehr die Hälfte der Mitarbeiter hat noch vorwiegend oder ausschließlich einen stationären Arbeitsplatz („Stationary Worker“, 46 Prozent).

„Laut unserer Studie ist die Vorstellung, dass Mobile Worker hauptsächlich unterwegs, im Café oder im Park arbeiten, somit etwas zu romantisch. Auch Homeoffice ist nur ein Teil dessen, was mobiles Arbeiten heute ausmacht“, kommentiert Studienleiter Prof. Dr. Jochen Prümper von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Sind Mobile Worker zufriedener und leistungsstärker?

Die Arbeitssituation und ergonomischen Rahmenbedingungen verbessern sich der Studie zufolge bei IT-gestützter, mobiler Arbeit im Vergleich zu stationärer deutlich. Mobile Worker profitieren demnach von der Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Nur 12 Prozent der Teilnehmer beurteilen die Gestaltung der Arbeitszeit bei digitalisierter Mobilarbeit schlechter oder viel schlechter.

Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) sehen bessere oder viel bessere Gestaltungsmöglichkeiten – vor allem in Sachen Arbeitszeit (34 Prozent besser, 19 Prozent viel besser), gefolgt von den Tätigkeiten und den Arbeitsaufgaben.

Durch die Veränderungen zu IT-gestützten, mobilen Arbeitsformen haben sich sowohl die Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung, als auch die Arbeitsqualität der Beschäftigten positiv entwickelt. Besonders großen Einfluss hat dies auf die Arbeitszufriedenheit (67 Prozent Zustimmung); nur 7 Prozent beobachten eine Verschlechterung. Zudem hat sich laut Angaben von mehr als der Hälfte der Befragten (55 Prozent) die Arbeitsleistung der Beschäftigten positiv entwickelt; eine Minderheit von 3 Prozent sieht eine Verschlechterung. „Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bei mobiler Arbeit wirken sich positiv auf Arbeitszufriedenheit und -qualität aus“, sagt Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). „Voraussetzung ist, dass die Beschäftigten bestimmte Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Ausdrucksfähigkeit oder auch Konflikt- und Kritikfähigkeit mitbringen beziehungsweise sich hier verstärkt weiterbilden.“

Wie gefährlich ist mobiles Arbeiten?

Allen guten Aussichten zum Trotz gibt es einen Wermutstropfen beim mobilen Arbeiten: Die Befragten berichten von großen Defiziten hinsichtlich der im Arbeitsschutzgesetz geforderten Gefährdungsbeurteilung an mobilen IT-Arbeitsplätzen.

Drei Viertel der Betriebe (75 Prozent) führen die Gefährdungsbeurteilung nur teilweise oder gar nicht durch.

Dabei sind mobile Arbeitsplätze diesbezüglich nicht ohne: Da Mitarbeiter bei mobiler Arbeit die Möglichkeit haben, ständig den Tätigkeitsbereich und Arbeitsort zu wechseln, sind auch Arbeitsplatz- und Arbeitsumgebungsbedingungen wechselnden physikalische Faktoren wie Licht, Temperatur und Klima ausgesetzt. Wählen die Beschäftigten ungewöhnliche Arbeitsorte, erfüllt das Mobiliar bisweilen nicht die Ergonomie-Standards. Besonders große Versäumnisse räumen die Befragten in Bezug auf die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung mobiler Arbeit ein: Hier erfüllen 80 Prozent der Unternehmen gar nicht oder nur unvollständig die ihnen auferlegte gesetzliche Verpflichtung – angesichts des weiten Verbreitungsgrades digitalisierter Mobilarbeit ein brisanter Befund.

Dies könnte die Unternehmen teuer zu stehen kommen – zum Beispiel im Zusammenhang mit Arbeitsunfällen: Der Versicherungsschutz ist zwar nicht an einem bestimmten Ort gebunden und erlischt bei mobiler Arbeit nicht. Die Entscheidung über Anerkennung oder Ablehnung eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit erfolgt immer individuell nach festen Kriterien, die sich aus dem SGB VII ableiten. Somit sind die versicherten Beschäftigten auf der sicheren Seite. Anders die Unternehmen:

Wenn sie keine Gefährdungsbeurteilung durchführen, besteht die Gefahr, dass die Berufsgenossenschaft sie in Regress nimmt und die durch den Unfall entstandenen Kosten zurückholt.

Handlungsfelder für die Praxis

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Foto: Ralf Hocke

„Nicht nur Arbeitgebern, sondern auch Anbietern und Dienstleistern für das Personalmanagement liefern wir mit der Studie wichtige Informationen dazu, was Unternehmen in einer mobilen Arbeitswelt brauchen“, erklärt Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management. „Ein Beispiel sind dringend nötige Handlungshilfen beim Thema Gefährdungsbeurteilung“.

Weitere To-dos für Arbeitgeber betreffen insbesondere die nötigen Ressourcen für mobiles Arbeiten. Schon allein die Aufgabe, die nötige Technik samt Support bereit zu stellen, ist anspruchsvoll. Unternehmen müssen zudem ihre Organisations- und Führungsstruktur neu aufstellen und Beschäftige dabei mitnehmen, zum Beispiel durch passende Weiterbildungen. Eine der größten Herausforderungen ist der Aufbau einer neuen Vertrauenskultur. „Traditionelle Führung mit engmaschiger Kontrolle wird dem mobilen Arbeiten nicht gerecht. Es gilt, neue Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen zu entwickeln, zum Beispiel durch regelmäßiges Feedback“, so Prof. Prümper. Dabei solle man nicht vergessen:

Gerade persönliche Treffen sind ungemein vertrauensbildend und somit eine wichtige Voraussetzung, dass die Zusammenarbeit auch mobil funktioniert.

(siehe dazu auch unser Interview mit Thorsten Heilig von moovel).


Zur Studie

An der Befragung nahmen im März und April 2016 insgesamt 674 Unternehmensvertreter teil (überwiegend aus dem Management, der Geschäftsführung und dem Personalressort). Entsprechend der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) des Statistischen Bundesamtes (Statistisches Bundesamt, 2008) stammten die meisten befragten Betriebe aus dem Bereich „Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (34 Prozent), „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen oder technischen Dienstleistungen“ (16 Prozent), „Information und Kommunikation“ (14 Prozent), „Verarbeitendes Gewerbe“ (12 Prozent) und „Handel sowie Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (6 Prozent); die restlichen Wirtschaftszweige waren mit weniger als 5 Prozent vertreten.

Der Abschlussbericht zur Studie erscheint Anfang Juni 2016. Wir werden auf diesem Blog berichten.

 

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