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Digitalisierung: Neues Denken zum Thema Personal macht sich breit

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Foto: PERSONAL Süd – Jack Tillmanns

Am Dienstag und Mittwoch gaben die PERSONAL2016 Süd und die Parallelmesse Corporate Health Convention in der Messe Stuttgart Einblick in die Entwicklung der Arbeitswelt – beide Messen zogen zusammen 7.215 Besucher an. Topaktuelle Diskussionen, etwa zu der soeben verabschiedeten Neuregelung von Zeitarbeit und Werkverträgen und zur Digitalisierung der Arbeitswelt, und die Präsentation neuer Studien zu den Themen mobiles Arbeiten und Recruiting gaben gute Anhaltspunkte, wo das Personalmanagement aktuell steht. Keynote Speaker wie Dr. Bernhard von Mutius, Stephan Grabmeier oder Andreas Schledt überzeugten mit knackigen Appellen an ihre Personalerkollegen. Ein Nachbericht.

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Foto: PERSONAL Süd – Jack Tillmanns

Dr. Bernhard von Mutius, Senior Advisor der HPI School of Design Thinking und Mitgründer des „New Club of Paris“ erklärte auf der Bühne, was „Disruptive Thinking“ bedeutet: die Kunst mit der revolutionären Übergangszeit im Zuge der Digitalisierung umzugehen. „Sei überraschend einfach! Brich Routinen! Und stärke die Menschen!“, formulierte er seine praktischen Imperative für Führung.

Stephan Grabmeier, „Chief Innovation Evangelist“ bei Haufe-umantis, demonstrierte den Messebesuchern, wie sie das Personalmanagement „rocken“. Er forderte, dass Personalverantwortliche ihre Leistung messbar machen, agile Methoden lernen, User-zentriert denken, Fehler zulassen und offen sind für Experimente. Es gehe darum, digitaler zu werden – nicht nur in den Personal-Prozessen, sondern auch in der Organisation. Zudem empfahl er den Besuchern, Zukunftstechnologien zu nutzen – so zum Beispiel Virtual Reality, beam (ein fahrbares Videodisplay, das als ferngesteuerte Präsenz die Interaktion mit anderen erleichtert) oder Chatbots (textbasierte Dialogsysteme).

Was Erziehung mit Führung zu tun hat

Joachim Schledt, Personalleiter von Alnatura, plädierte für eine neue Art der Personalführung. Veränderungen in der Erziehung, die er mit einem geschichtlichen Exkurs umriss, brächten einen neuen Menschenschlag hervor. Die Generation „Ich bestimme über mich selbst“ erfordere „gleichwürdige Führung auf Augenhöhe“, die Menschen als wirklich ebenbürtig behandle. Ein hierarchisches Verhältnis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter werde nicht mehr unbedingt akzeptiert. „Wir müssen Organisationen so aufstellen, dass sich die besten Ideen durchsetzen. Dies gelingt nur mit selbstorganisierenden Organisationen“, so Schledt. An die Stelle von Machtstrukturen trete gelungene Beziehungsarbeit. Führungskräfte müssten die Selbstbestimmung der anderen zulassen und in der Führung zur Eigenständigkeit ermuntern (siehe dazu auch sein Beitrag in der Personalwirtschaft).

Neuregelung für Zeitarbeit und Werkverträge: Viel Lärm um nichts?

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Foto: PERSONAL Süd – Jack Tillmanns

Nach monatelangem Tauziehen hat sich die große Koalition am vergangenen Dienstag auf eine neue Regelung für Leiharbeit und Werkverträge verständigt. Die wichtigsten Neuheiten sind eine Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten und gleicher Lohn nach 9 Monaten. Das neue Gesetz soll zudem den Missbrauch von Werkverträgen verhindern.

Auf der Messe sorgte dieses Thema für reichlich Diskussionsstoff. „Auf diese Weise werden wir nicht mehr viele Menschen einstellen“, warnte Dr. Gerhard Rübling, Geschäftsführer Personal bei Trumpf. „Die neue Regelung trifft häufig Beschäftigte, die nicht vor Flexibilität geschützt werden wollen“, so Carlos Frischmuth vom Personaldienstleister Hays. Fachkräfte forderten mehr Flexibilität und mobile Arbeitsplätze, die Arbeitgeber aufgrund der Gesetzgebung nur eingeschränkt gewährleisten könnten. „Wir brauchen eine Deregulierung bei den Arbeitszeiten. Wir sollten den Verwaltungsaufwand reduzieren, wenn ein Mitarbeiter mal eine Stunde mehr oder weniger arbeitet“, so Rübling. „Flexibles Arbeiten wollen viele, aber es kommt darauf an, wie man das regelt. Belastbarkeit und ständige Verfügbarkeit – damit müssen wir uns beschäftigen“, konterte Julia Friedrich vom DGB Baden-Württemberg. „Homeoffice ist noch nicht Arbeiten 4.0. Andere Formen der Arbeit entstehen erst noch“, gab Dietmar Heise von Luther Rechtsanwälte zu bedenken.

Neue Studien: Mobiles Arbeiten und Recruiting

Zudem wurden auf der Messe verschiedene Studien erstmals vorgestellt, etwa zum Thema „Mobiles Arbeiten“. Eine Untersuchung auf Initiative des Messeveranstalters ergab, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Beschäftigten mobil arbeitet. Studienleiter Prof. Dr. Jochen Prümper von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin erläuterte gemeinsam mit Christian Lorenz von der Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. die sich daraus ergebenden Anforderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer (eine Pressemitteilung mit ersten Ergebnissen ist bereits erschienen – wir berichten nächste Woche in diesem Blog).

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Foto: Prof. Dr. Jochen Prümper (ganz rechts) stellt die Studie „Mobiles Arbeiten“ in der Pressekonferenz der Messe vor (PERSONAL Süd – Jack Tillmanns)

Wie KMU ihre Recruiting-Herausforderungen meistern, ermittelte eine neue Studie der Zeitschrift Personalwirtschaft. Das zentrale Ergebnis: Die Top-3-Recruiting-Kanäle sind Mitarbeiterempfehlungen, Online-Stellenbörse und die eigene Karrierewebsite. „Active Sourcing ist in den Köpfen der Recruiter angekommen, in der Praxis aber nicht so erfolgreich – vor allem bei schwierig zu findenden Fachkräften“, erklärte Studienleiter Prof. Dr. Wolfgang Jäger von der Hochschule RheinMain. Hausaufgaben gibt es noch in puncto Social Media Recruiting (geht kaum über Personalmarketing hinaus), Talent-Relationship-Management (Unternehmen haben oft „Zombie-Pools an Talenten, mit denen nichts passiert) und Mobile Recruiting (mobile Bewerbungen sind selten ohne Medienbruch möglich). „Controlling ist das Stiefkind im Recruiting, aber gerade darin liegt der größte Gewinn“, ergänzte Prof. Jäger. „Einen Controller statt eines Social Media Recruiters einzustellen, würde Kosten sparen.“

Integration von Flüchtlingen bleibt Herausforderung

Wie Unternehmen Geflüchtete als Mitarbeiter gewinnen und qualifizieren können, zeigte die neue Sonderfläche „Integration-Area“ mit angegliederter Vortragsbühne. Dort präsentierte Katrin Brenner von der Stadt Iserlohn ein spannendes Projekt: In rund 100 1-Euro-Jobs werden Flüchtlinge mit begleitendem Deutschunterricht und Gesellschaftslehre an den 1. Arbeitsmarkt herangeführt. Praktika, kombiniert mit begleitenden Potenzialanalysen, und eine weitere Qualifizierung über zwei Jahre machen den Erfolg des Ansatzes aus.

Ein Beispiel für gelungene Integration stellte auch Albrecht Bühler vor: Der Geschäftsführer eines Gartenbau-Betriebs in Nürtingen kam in Begleitung eines jungen Mannes aus Syrien zur Messe, der bei ihm eine Ausbildung macht. Auf dem Podium befragte er ihn zu seinen Erfahrungen. Als Aussteller waren unter anderem die Agentur für Arbeit, die Kanzlei Breiter oder das Start-up Future4Talents vertreten, das Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenbringt. „Wir möchten Ansätze zur Integration von Flüchtlingen gerne weiter fördern. Diese gesellschaftliche Herausforderung wird uns sicher auch im nächsten Jahr noch beschäftigten“, meint Veranstalter Ralf Hocke.

Im nächsten Jahr läuft die PERSONAL2017 Süd vom 9. bis 10. Mai gemeinsam mit der Corporate Health Convention 2017 in der repräsentative Halle 1 direkt an Eingang Ost der Messe Stuttgart.

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1 Comment

  1. Gute Zusammenfassung. Ich habe ebenfalls an der Messe teilgenommen und vermisse stets die Aufbruchsstimmung und die Experimentierfreude. Personaler scheinen digitale Transformation, New Work, Arbeiten 4.0 und weitere Entwicklungen einzig als weiteren kleinen Baustein ihrer bestehenden Landschaft aus IT-Systemen und Prozessen zu verstehen. Es entsteht der Eindruck als existiert lediglich die Bereitschaft ein kleines weiteres Modul anzubinden und diesen Megatrends mit einem Feinschliff zu begegnen. Den Mut am etablierten Fundament zu rütteln, habe ich nur bei den Keynote Speakern wahrgenommen. Durch den traditionellen Fokus auf Compliance und Administration sind Personaler wahrscheinlich zur Übervorsichtigkeit erzogen worden und scheuen es innovative Wege zu beschreiten, da diese ihre etablierte Position im Unternehmen gefährden könnten. Kein Wunder, dass sich Vordenker wie Thomas Sattelberger mit dem Gedanken der Spaltung HRs beschäftigen. Eine neue Funktion innerhalb des Unternehmens zu schaffen, die sich um die Employee Experience bemüht, belegschaftsbezogene Fragestellungen im Geschäftskontext löst und nicht unter den Altlasten des „Personalmanagements“ leiden muss, ist längst überfällig.

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