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„Arbeitswelten 4.0“ – OpenCollaboration-Ansätze bei der Deutschen Bahn

Robert Gahren über die Initiative Arbeitswelten 4.0 der DB

Foto: Robert Gahren

Digitalisierung bedeutet mehr als neue technische Lösungen. Sie verändert die Art des Arbeitens, die Landschaft der Berufe und die Werte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Durch die Digitalisierung ändern sich Geschäftsmodelle und Tätigkeiten in immer kürzeren Zyklen. Die Deutsche Bahn setzt sich mit dieser Entwicklung intensiv auseinander: Um sich den Auswirkungen und dabei vor allem den Chancen der Digitalisierung im Kontext neuer Arbeitswelten zu nähern, ist die DB mit der Initiative „Arbeitswelten 4.0“ einen außergewöhnlichen Weg gegangen.

Ziel der im Juni 2015 gestarteten Initiative ist es, gemeinsam Szenarien zu erarbeiten, die veranschaulichen, was die Digitalisierung ganz konkret für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DB bedeutet. Interdisziplinarität, Geschäftsnähe, Verbindung von Innen- und Außensicht, Partizipation und Offenheit prägen den Charakter des Expertennetzwerks. Von Beginn an war die Initiative offen für Mitarbeiter und Nicht-Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Insgesamt besteht das Netzwerk heute aus rund 80 Beteiligten – zur Hälfte interne, zur Hälfte externe. Zu den externen Experten zählen Quer- und Vordenker aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Vertreter großer Forschungsinstitutionen wie der Fraunhofer Institute, der Ludwig-Maximilians-Universität München und anderen Technischen Universitäten etwa aus Dresden und Kaiserslautern nehmen am Expertennetzwerk teil. Aber auch die Wirtschaft und Industrie sind vertreten: So beteiligen sich Mitarbeiter der Lufthansa, Telekom und Siemens. Darüber hinaus sind Think Tanks, Start-ups und Beratungsfirmen aktiv involviert.

Prototypen für die Arbeitswelt der Zukunft

Auf der Basis der möglichen Zukunftsszenarien identifizieren die Arbeitsgruppen Entwicklungsziele und –pfade für die DB. Um möglichst schnell erste Schritte in die Arbeitswelt der Zukunft zu gehen, erstellen die Experten Prototypen für verschiedene Bereiche des Konzerns. Dabei konzentrieren sich die Arbeitsgruppen der Initiative „Arbeitswelten 4.0“ auf fünf Schwerpunktthemen:

  • Arbeitsformen und Rahmenbedingungen
  • Führung und Organisationsmodelle
  • Berufsbilder und Tätigkeiten
  • Lernen und Kompetenzen
  • Kommunikation, Kollaboration und Zusammenarbeit

Die Prototypen haben nicht den Anspruch vollständig ausgereifte Konzepte zu sein. Sie dienen vielmehr dazu, in den verschiedenen Geschäftsfeldern der DB neue Wege auszuprobieren. Die Anwender der einzelnen Abteilungen haben dabei einen individuellen Gestaltungsspielraum und entwickeln die Prototypen durch ihr ständiges Feedback weiter. Sobald sich ein Prototyp bewährt hat, kann er auch auf andere Bereiche des Konzerns ausgeweitet werden.

Von unten nach oben: Prototyp „Hierarchiefreie Teams“

Im Dezember 2015 endete die erste aktive Arbeitsphase des Expertennetzwerkes. In einer geschäftsfeldübergreifenden Konsolidierungsveranstaltung wurden die ersten Prototypen vorgestellt und werden nun umgesetzt: So nahm sich die Arbeitsgruppe „Führungs- und Organisationsmodelle“ dem Thema selbstgesteuerter, hierarchiefreier Teams an. Dahinter stand die Erkenntnis, dass in immer komplexeren und volatileren Welten Organisationen gebraucht werden, die sich schnell und konsequent am Kunden und seinen Bedürfnissen orientieren. Mehr Eigenverantwortung bei Mitarbeitern und Führungskräften führen zu mehr Agilität, höherer Dynamik, besseren Produkten und zu höherer Qualität. Entscheidungen dort zu treffen, wo das größte Wissen und die größte Nähe zum Kunden herrschen, wird zur zentralen Voraussetzung für den künftigen Geschäftserfolg. Die Organisation lernt so von unten nach oben, denn es sind die Mitarbeiter, die die größte Nähe zum operativen Geschäft haben, zeitnah Probleme erkennen und einfache und praktikable Lösungen entwickeln.

Entscheidungsfreiheiten und Partizipationsmöglichkeiten: Implementierung des Prototyps

Ab 2016 erproben die HR-Organisation des Geschäftsbereiches DB Vertrieb und die Instandhaltung bei der DB-Tochter Südostbayernbahn sukzessive die Arbeit in hierarchiefreien, selbstgesteuerten Teams. Dabei müssen zunächst die operativen Fragen geklärt werden: Wie gehen wir mit bisherigen Gehaltsstrukturen um? Wer entscheidet über die Gehaltsentwicklung? Wer führt das jährliche Mitarbeitergespräch? Gibt es noch „die Karriere“? Wer übernimmt die Entscheidungsverantwortung? Wohin eskalieren wir bei nicht mehr lösbaren Konflikten? Wie werden Arbeitsverträge und Stellenausschreibungen gestaltet?  Wer genehmigt Urlaub und Schichtpläne? In gleichem Maße geht es darum, die Mitarbeiter von Anfang an in den Prozess miteinzubeziehen und ihnen die Entscheidungsfreiheiten und Partizipationsmöglichkeiten zu geben, die sie brauchen, um ihren konkreten Beitrag für den gemeinsamen Erfolg zu leisten.

Die Prototypen haben jedoch noch eine andere wichtige Bedeutung: Sie setzen ein Zeichen für eine stärkere Innovationskultur im Unternehmen, für Mut, Neues auszuprobieren und Fehler zu machen und für den Willen, enger und besser zusammenzuarbeiten – im Team, im Bereich, im ganzen DB-Konzern. Weitere Einblicke zu den Ergebnissen des Expertennetzwerkes „Arbeitswelten 4.0“ und den verschiedenen Prototypen erhalten Sie am 11.05.2016 um 12:10 im Praxisforum 1 auf der PERSONAL2016 Süd in Stuttgart in dem Keynote-Vortrag „Arbeitswelten 4.0 – wie sich die Deutsche Bahn heute auf morgen vorbereitet“ und unter www.deutschebahn.com/arbeitswelten.

 

Foto: Robert Gahren

Foto: Robert Gahren

Über den Autor
Robert Gahren beschäftigt sich seit 2013 mit strategischen HR-Themen und gestaltet im Rahmen der DB-Initiative Arbeitswelten 4.0 Veränderungen von Berufsbildern und Tätigkeiten mit. Zuvor hat er IT-Projekte bei DB Cargo – dem Güterverkehr der Deutschen Bahn – vorangetrieben. Auf der Messe PERSONAL2016 Süd berichtet er in einem Keynote-Vortrag von der Initiative „Arbeitswelten 4.0“ der Deutschen Bahn.

Mittwoch, 11. Mai 2016, 12.10 Uhr, Praxisforum 1, Messe Stuttgart.

 

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1 Comment

  1. Gratulation, Herr Gahren, für den Artikel! Das ist eine wirklich tolle Initiative von der Deutschen Bahn. Sehr gerne würde ich über die Entwicklungen in den Teams kontinuierlich mehr erfahren, da wir uns mit sehr ähnlichen Themen beschäftigen. Dazu wurde es kürzlich ein Blogbeitrag geschrieben (http://www.the-maked-team.com/de/digitale-transformation-im-personalbereich/).

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