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Foto: Michelle und Danielle von Music4friends

Was machen Chefs eigentlich so, den lieben langen Tag? Das mag sich schon so mancher Azubi gefragt haben. Danielle und Michelle, Auszubildende bei der Künstleragentur Music4friends, konnten das nun hautnah erleben: Für einen Monat haben sie mit den beiden Geschäftsführern Sascha Götz und Sascha Poddey die Rollen getauscht. Die beiden angehenden Veranstaltungskauffrauen mussten nun die Planung in die Hand nehmen, Entscheidungen treffen und auch mal unangenehme Dinge ansprechen. Nadine Nobile ist für den Podcast co:culture nach Wuppertal zu Music4friends gefahren und hat mit den zwei mutigen Auszubildenden über das Projekt und ihre Erfahrungen gesprochen. Ein Halbzeitresümee.

 

Es war an einem Tag im Oktober 2015 als Sascha Poddey die Auszubildenden Danielle und Michelle fragt, ob sie nicht einmal für einen Monat den Job von ihm und seinem Geschäftsführungskollegen übernehmen wollen. Nach anfänglichen Selbstzweifeln und Skepsis war klar: Ja, das probieren die beiden aus, das ist eine tolle Chance.

Die Geschäftsführer haben sie gut auf die Aufgabe vorbereitet. „Wir haben gemeinsam mit der Planung angefangen“, erzählt Michelle. Im Januar war die die Präsentation fertig, mit der sie dann den anderen Kollegen ihre Ziele vorgestellt haben – bevor es dann im März konkret losging. „Wir haben Interviews mit Kollegen geführt. Daraus haben wir Entscheidungen getroffen. Da hatten dann die Mitarbeiter auch das Gefühl, dass sie mitentschieden haben. Das ist bisher schon so und das haben wir weitergeführt“, ergänzt Danielle.

Plötzlich muss man selbst entscheiden

Trotz aller Planung kamen dann einige Überraschungen auf die beiden zu. Besonders das Entscheidungen-treffen ist den Auszubildenden zunächst schwer gefallen. „Plötzlich konnten wir nicht mehr die anderen fragen, was wir machen sollen, sondern mussten uns selbst fragen“, so Michelle. „Auch jetzt müssen wir uns noch manchmal erinnern, dass wir nicht fragen gehen, sondern einfach entscheiden.“ Da gilt es schon auch mal den eigenen Chef in den Copyshop um die Ecke zu schicken statt einen DIN-A3-Drucker zu kaufen, den man nur gelegentlich braucht. „Das war schon komisch nein zu sagen. Irgendwie ist er ja immer noch unser Chef“, gibt Danielle zu.

Inzwischen haben die beiden jedoch die Entscheidungsscheu weitestgehend abgelegt. Und das Bewusstsein der Azubis für die Aufgaben der Chefs ist gewachsen. „Uns ist bewusster geworden, was die Chefs eigentlich immer alles auf dem Schirm haben müssen“, so Michelle. Die beiden Saschas seien auch noch als Musiker im Betrieb tätig und erledigten zusätzlich die ganzen Führungsaufgaben. Es sei nicht leicht, das alles unter einen Hut zu bringen. Außerdem waren die Chefinnen auf Zeit überrascht, wie der Betrieb in Sachen Controlling läuft. „Wir haben uns mit den Buchungszahlen der Musiker und der einzelnen Mitarbeiter beschäftigt und große Unterschiede festgestellt. Da sieht man doch manche Dinge anders.“

Azubis pochen auf Kernarbeitszeiten

Arbeiten, wann und wo man möchte? Nicht mit den Azubi-Chefinnen. Sie wünschen sich Anwesenheit von ihren Mitarbeitern zwischen 10 und 16 Uhr. Nur mit dem Einfordern, wenn das mal nicht so gut klappt, tun sich die beiden noch etwas schwer. Gut funktioniert hat hingegen der „Hey-Day“. Die Jungcontrollerinnen haben sich überlegt, was sich verbessern ließe. Da lagen die Kunden- und Akquise-Anrufe auf der Hand – waren doch die Zahlen in letzter Zeit etwas abgeflaut. „Unsere Idee war, dass wir einen Hey-Day machen, an dem jeder drei Stunden seine Kontakte aus der Datenbank anruft. Wir haben gefragt, ob alle Lust darauf haben und da waren alle dabei.“

An Höhen und Tiefen sind die beiden aus eigener Perspektive schon deutlich gewachsen. Als Zwischenbilanz nehmen die Chefinnen auf Zeit ein gutes Gefühl und mehr Selbstbewusstsein mit.


Beitrag in Kooperation mit Co:Culture

Teil 2 – Interview mit dem Geschäftsführer in Ruhezeit folgt…

Wer mehr über den Ansatz wissen möchte, kann Sven Franke von AUGENHÖHEworks auf der PERSONAL2016 Nord in Hamburg ansprechen. Er moderiert das Praxis-Panel „co:culture“ (Mittwoch, 27. April, 13.45 – 14.45 Uhr, mit Andreas Kämmer von comspace und Achim Hensen von Traum Ferienwohnungen)

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