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Arbeitswelt 4.0 – Neuland für den Mittelstand?

ZP_Logo_4.0_onlineLängst ist in Großunternehmen Industrie 4.0 keine Zukunftsvision mehr: Der Einsatz entsprechender Technologien wird bereits realisiert − mit der Konsequenz, dass sich auch die Zulieferer, häufig kleine und mittlere Unternehmen, mit der Thematik intensiv beschäftigen müssen. Schließlich können die großen Produktionsunternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nur dann langfristig sichern, wenn alle an der Wertschöpfung beteiligten Unternehmen bereit sind, ihre Echtzeitdaten über virtuelle Plattformen auszutauschen und die Produktionsabläufe mit Hilfe digitaler Technologien zu steuern. Was heißt dies nun für das Personalmanagement im Mittelstand?

Tatsächlich ist die sogenannte „Vierte industrielle Revolution“ mittlerweile in vielen mittelständischen Industrieunternehmen angekommen wie das BDI-PwC-Mittelstandspanel vom Frühjahr 2015 belegt: Mehr als jedes dritte Unternehmen gab an, dass die Digitalisierung in fünf Jahren eine (sehr) hohe Bedeutung für die eigene Wettbewerbsfähigkeit haben werde. Unterstützt wurde diese Aussage durch ihr Investitionsverhalten: Im Jahr 2014 hatten sie durchschnittlich 4,3 Prozent ihres Investitionsvolumens für die Digitalisierung ihres Unternehmens ausgegeben, um auf diese Weise mehr Effizienz zu erzielen und weiteres Wachstum zu generieren.

Zugleich belegt das Ergebnis des BDI-PwC-Mittelstandspanel aber auch: Digitale Prozesse finden sich häufiger in größeren Industrieunternehmen. Ein Viertel der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten weist eine (sehr) stark digitalisierte Produktion auf, aber nur 19,9 Prozent der kleineren Unternehmen.

Knapp ein Drittel der Unternehmen setzt auf Weiterbildung

Die zunehmende digitale Vernetzung innerhalb und über die Unternehmensgrenzen erfordert aber nicht nur Investitionen in entsprechende Technologien, sondern auch die Bereitschaft, die eigene Belegschaft entsprechend weiterzubilden. Diese Herausforderung ist den Führungskräften in vielen mittelständischen Unternehmen nicht nur bewusst, sondern sie haben hierauf in der Vergangenheit auch schon reagiert: So lagen die deutschen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Fortbildungsmaßnahmen zur Erweiterung oder Vertiefung von IKT-Fertigkeiten anbieten, bereits im Jahr 2014 mit einem Unternehmensanteil von 29 Prozent über dem europäischen Durchschnitt (22 Prozent). Nur Finnland (38 Prozent), Österreich (33 Prozent) und Belgien (31 Prozent) zeichneten sich zu diesem Zeitpunkt durch mehr Weiterbildungsangebote für ihre Mitarbeiter aus.

Etablierte Führungsprinzipien auf dem Prüfstand

Industrie 4.0 stellt die mittelständischen Industrieunternehmen zukünftig jedoch auch vor Herausforderungen, die weit über die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter hinausgehen: Je mehr die Digitalisierung der Arbeitsprozesse unternehmensintern voranschreitet, desto mehr wird dies auch die Art der Führung und den Umgang der Beschäftigten untereinander beeinflussen. So werden die zunehmend vernetzten Prozesse auch dazu führen, dass die Beschäftigten mehr die Abläufe reflektieren und Verbesserungen initiieren müssen. Zugleich wird die Vernetzung über die Unternehmensgrenzen hinweg auch mehr Softskills bei jedem Einzelnen (zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit) erfordern.

Fassen wir zusammen: Industrie 4.0 ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Damit verbunden sind Veränderungen, denen sich zunächst vorrangig größere Unternehmen aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten und ihrer personellen Ausstattung gestellt haben. Gleichwohl werden auch kleinere Unternehmen, die beispielsweise Zulieferer von Großunternehmen sind, sich den technologischen Herausforderungen nicht versperren können. Damit sind jedoch auch Veränderungen in der Mitarbeiterführung und im Arbeitsalltag der Beschäftigten verbunden, auf die sich die Führungskräfte aller Unternehmensgrößen einstellen müssen.


Über die Autorin

DSC_5475_Icks_onlineDr. Annette Icks ist als Projektleiterin am Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn beschäftigt. Neben allgemeinen mittelstandsspezifischen Themen sind ihre Forschungsschwerpunkte Qualifizierung und Ausbildung in kleinen und mittleren Betrieben, Unternehmenskooperationen und regionale Netzwerkbeziehungen sowie kommunale Wirtschaftsförderung und Abbau bürokratischer Belastungen im Mittelstand. Zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende der Offensive Mittelstand, einem Netzwerk von rund 150 Partner aus der Wirtschaft, der Wissenschaft, von Verbänden sowie aus verschiedenen Bundes- und Länderbehörden.

Veranstaltungstipp:

Auf der PERSONAL2016 Süd führt Dr. Annette Icks ihre Forschungsergebnisse und Erfahrungen mit dem Thema Arbeitswelt 4.0 im Mittelstand weiter aus:

„Fit für die Digitalisierung? Wie der Mittelstand für die Arbeitswelt 4.0 gewonnen werden kann“

Mittwoch, 11. Mai 2016, 10:20 Uhr, Praxisforum 2, Messe Stuttgart, Halle 6

Mehr über die Forschungstätigkeit von Dr. Annette Icks sowie die detaillierten Ergebnisse des Mittelstandspanel/Frühjahrsbefragung 2015 finden Sie unter www.ifm-bonn.org. Unter www.offensive-mittelstand.de können Sie sich über die Initiative informieren.

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1 Comment

  1. Weiterbildung ist wichtig und ich handhabe es in meinem Kleinbetrieb genauso. Einmal im Jahr schicke ich mindestens einen meiner Mitarbeiter in Schulung und diese nehmen das in der Regel gut an. Das gibt ihnen auch die Sicherheit, dass sie gebraucht werden und wertvoll für das Unternehmen sind. Davon profitieren am Ende natürlich alle Seiten. Es wäre wünschenswert, wenn immer mehr Firmen die Mitarbeiter motivieren und schulen, statt ständig demotivieren und Drohungen aussprechen. Jeder weiß, ein fröhlicher Angestellter, der sich wohlfühlt, wirtschaftet besser. Seltsam, dass dies viele Großkonzerne nach wie vor nicht überrissen haben.

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