Verwalter-Gestalter

Foto: Zukunft Personal 2015, Köln

Sind Personaler Köche oder Kellner? Sind sie Gestalter oder Verwalter? Sitzen sie am Vorstandstisch oder dürfen sie „nur“ die administrative Arbeit machen? Das alles sind beliebte Fragen und Gegensatzpaare in der HR-Szene – und zwar nicht erst seit gestern. Neues Feuer in dieser Diskussion entfacht nun aber die Digitalisierung der Arbeitswelt. Welche Rolle Personaler dabei einnehmen können und werden, ist noch offen. Und das macht das Thema so spannend, wie auch die Diskussionen auf dem von Winfried Felser organisierten Kölner #NextAct im Februar dieses Jahres gezeigt haben. Erwin Stickling von der Personalwirtschaft moderierte souverän die Runde der großen HR-Vordenker. 

Dr. Walter Jochmann von Kienbaum betont da die große Bandbreite der Szene, von Vorreitern bis zum klassischen Mainstream. Wir erlebten ein HR der zwei Geschwindigkeiten, müssten kundenorientierte Ansätze wie Design Thinking wieder in die Geschäftsfelder geben und uns im Personalbereich stärker vernetzen – wie zum Beispiel beim Projekt „Arbeitswelten 4.0“ der Deutschen Bahn. Heiko Büttner als deren Vertreter gibt einen Einblick, was passiert, wenn Krise oder Streik ist bei der Bahn. „Da wird nicht gefragt, Wer ist zuständig?, sondern: Wer kann es?“

Prof. Dr. Gunther Olesch, Geschäftsführer von Phoenix Contact, wiederum bemängelt die Panikmache der Medien, nach dem Motto: In Zukunft werden Maschinen die Arbeit übernehmen und wir werden menschenleere Hallen erleben. Stattdessen müssten Personaler die Mitarbeiter ermutigen, den Weg der digitalen Transformation mitzugehen. Der HRler wird hier zum Kämpfer, der sich auch um die Märkte kümmert und die Unternehmensstrategie für Industrie 4.0 mitgestaltet.

Olesch_Sattelberger_NextAct

Foto: Sattelberger nachdenklich, Olesch leidenschaftlich: Müssen HRler mehr wie Vertriebler sein?! (#NextAct)

Aktuell stehen unsere Frühjahrsmessen PERSONAL2016 Nord (26. und 27. April in Hamburg) und Süd (10. und 11. Mai in Stuttgart) an und dabei bekommen wir auch wieder von den eingebundenen Akteuren viel Input zur Entwicklung von HR. So sprachen wir für unseren Blog zum Beispiel mit Autor und Blogger Sascha Lobo, Keynote Speaker in Hamburg, der meint, „Personaler entwickeln sich von Wächtern des Recruiting zu Unternehmensvernetzern und Sparringspartnern für Lifelong Learning“. Dr. Bernhard von Mutius erklärt Personalverantwortlichen auf der süddeutschen Messeausgabe, was „Disruptive Thinking“ bedeutet – zum Beispiel cross-sektoral denken und nicht jedem „digitalen Missionar“ immer gleich begeistert folgen.

In Stuttgart erwarten wir Stephan Grabmeier als einen der Hauptredner. Er war kürzlich mit einer Delegation von Personalern, Unternehmensvertretern, Wissenschaftlern und Studenten im Silicon Valley. Dazu zwei Dinge, die er uns von seiner Reise verraten hat und die wir demnach von dem „Innovationslabor“ lernen können: Zum einen mehr Risikofreude und Scheitern als Auszeichnung („Failure is a badge of honor“) und zum anderen die Fähigkeit in zehnfachen Dimensionen zu denken (Weltveränderungssyndrom à la Google, „the power of a not reachable mission“).

Als Messemacher versuchen wir diese wertvollen Ansätze von HR-Vordenkern aufzugreifen und auf unsere Arbeit zu übertragen. Die Messe der Zukunft wird als Marktplatz für Innovationen in dieser aufregenden Zeit wichtiger denn je.

Besucher möchten die Transformation direkt und live erleben, mitdiskutieren, netzwerken und dabei noch fachlichen Input bekommen. Deshalb werden unsere Veranstaltungen immer mehr zu kollaborativen Transformations-Plattformen, wie sie Winfried Felser fordert. Dazu gehört neben der Leistungsschau von innovativen Produkten und Dienstleistungen vor allem offene Kommunikation, auch über das Event und den eigenen Tellerrand hinaus. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um ein solches Ökosystem zu schaffen – etwa mit interaktiven Formaten, Twitterwalls, Speedating oder neuen Netzwerkstrukturen (nur ein Beispiel: #HR_Feierwerk für Aussteller und Besucher in Hamburg).

Doch zurück zur Ausgangsfrage: Sind Personaler nun Köche oder Kellner der Arbeitswelt 4.0? Eines ist sicher: Sie haben die historische Chance, Treiber der Digitalisierung zu werden, wenn sie es jetzt anpacken. In diesem Sinne hoffe ich auf einen fruchtbaren Austausch mit allen Transformatoren – gerne demnächst in Stuttgart und Hamburg!


 

Über den Autor

Ralf_HockeRalf Hocke ist seit September 2014 Geschäftsführer der spring Messe Management GmbH, Veranstalter von Messen wie der Zukunft Personal (Europas größte Personalfachmesse in Köln) sowie Karriereplattformen auf Fachmessen unter dem Titel job and career. Vorher war er bei der Unternehmensgruppe Droege Group aus Düsseldorf als Führungskraft in der Unternehmensberatung tätig. Er verfügt über umfassende Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Wachstums- und Wertsteigerungsprogrammen im nationalen und internationalen Umfeld.

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