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Im Gespräch mit Thomas Eggert, Gründer von SiiWii

„Start me up!“, heißt es auf der PERSONAL2016 Süd in Stuttgart. Erstmals bekommen Jungunternehmen aus dem gesamten Spektrum des Personalmanagements auf der Messe eine eigene Plattform: die Start-up-Area. Auf einer angrenzenden Bühne erzählen die Entrepreneure ihre Geschichten und stellen ihre innovativen Produkte vor. Als eines der jüngsten Neugründungen ist SiiWii dabei, das demnächst mit einer neuen Matching-Plattform live geht und dem Fachkräftemangel damit den Kampf ansagt. Wir haben bei dem Gründer und erfahrenen Personalexperten Thomas Eggert vorgefühlt, was genau er vorhat.

SiiWii – das hört sich exotisch an, nach einem japanischen Computerspiel vielleicht. Was steckt hinter der Namensgebung?

Der Name ist nicht nach umfangreichen Recherchen, langwierigen Beratungsgesprächen und aufwändigen Analysen entstanden, sondern wie so häufig zufällig und unter der Dusche. Da sich im Recruiting fast alles um die Lebensläufe der Bewerber dreht, haben wir schlichtweg die Abkürzung des englischen Begriffes „Curriculum Vitae“, kurz CV, laut ausgesprochen – und schon kam es zu SiiWii. Leicht zu merken, einfach und in vielen Sprachen verwendbar – wir haben ja noch einiges vor.

Sie möchten laut einer ersten Pressemitteilung nichts weniger, als die Welt des Recruiting zu verändern. Was muss sich Ihrer Ansicht nach konkret ändern und wie wirken Sie dabei mit?

Jeder, der sich heute mit dem Thema Personalsuche beschäftigt, muss sich mit der demografischen Entwicklung auseinander setzen. Vorbei sind die Zeiten, als sich hunderte Bewerber auf eine Stellenanzeige gemeldet haben. Heutzutage ist doch das Problem, den richtigen Bewerber mit den passenden Qualifikationen zu finden. Und da haben Unternehmen mit den klassischen Stellenausschreibungen extrem hohe Streuverluste: Das Recruiting über Social-Media-Kanäle gleicht eher der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Zeiten der Babyboomer sind nun einmal vorbei und wir bekommen künftig immer weniger Bewerber für immer mehr offene Stellen – und das, obwohl jeder fünfte Arbeitnehmer bereit für einen Jobwechsel ist. Die meisten scheuen sich davor, sich bei zig Karriereseiten der Unternehmen zu registrieren und jedes Mal aufs Neue ihre Daten einzugeben – ohne zu wissen, was am Ende damit passiert – oder laufend schriftliche Bewerbungen zu versenden, die dann irgendwo  untergehen.

Wir müssen also den gesamten Prozess des Recruiting umdrehen, denn auch die neuen Jobbörsen gehen immer noch den klassischen Weg. Sie verbreiten eine Stellenausschreibung und hoffen, dass ein Bewerber diese zufällig findet. Und Unternehmen begleiten das Ganze mit extrem teuren Personalmarketingmaßnahmen, die nicht selten in die Hose gehen. Über so ein Negativ-Beispiel habe ich vor kurzem in meinem Blog „Wenn Ihr Mitarbeiter sucht – verschickt Lutscher und Nagellack!“ geschrieben – das kommt davon, wenn irgendeine Marketingagentur Personalarbeit machen will.

SiiWii wird genau dieses Dilemma lösen, indem sich dort die Jobsuchenden, unsere SiiWiis, einmal registrieren, ihre Ausbildungen, Fertigkeiten und Wünsche angeben. Das war es auch schon. Für den SiiWii ist das natürlich weder mit Kosten noch mit irgendwelchen Verpflichtungen verbunden. Unternehmen können nun gezielt und ebenfalls kostenfrei nach passenden Profilen suchen und sich dann bei dem passenden SiiWii bewerben – anonym und ganz ohne großartiges Personalmarketing. Der Job, die Aufgabe, das konkrete Angebot stehen im Vordergrund. Somit haben auch kleinere oder unbekanntere Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Jobs und den Nebenleistungen zu punkten. Wenn der SiiWii interessiert ist, kann er seine Kontaktdaten freigeben und das Unternehmen wird ihm bekannt. Beide können sich dann persönlich kennen lernen. Erst zu diesem Zeitpunkt fallen Kosten für das Unternehmen an.

Matching-Plattformen gibt es bereits verschiedene am Markt. Was machen Sie anders, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Ich kenne derzeit keine Plattform, die den Weg so konsequent geht und sich nicht nur auf spezielle Positionen fokussiert. Wir starten zwar in der Gesundheitsbranche, haben aber bereits einen klaren Plan, wie wir schnell weitere Branchen öffnen werden – und dabei beschränken wir uns nicht nur auf Hochschulabgänger, Führungspositionen oder was auch immer. SiiWii kann jeder nutzen, von der Pflegekraft bis zum Chefarzt. Bei SiiWii wird es nie Stellenanzeigen geben, der Lebenslauf steht im Vordergrund.

Warum glauben Sie, dass gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein solches neues Portal ist?

Das gibt uns die Entwicklung des Bewerbermarkts vor. Wir hatten vor circa einem Jahr die Idee zu SiiWii und sind nun seit zehn Monaten in der Produktentwicklung und Programmierung der Software. Der richtige Zeitpunkt ist eigentlich immer gestern, aber lieber heute als morgen.

Sie sagen in einem Interview mit der Competence Site, dass ein Recruiter seine Bewerber besser kennt, wenn er mit ihnen gesprochen hat, die Unterlagen in der Hand hatte und sich seine persönlichen Notizen gemacht hat. Menschen nur über IT-Systeme zu kennen, sei nun einmal schwierig. Wie passt das zu Ihrem Angebot einer technischen Matching-Plattform?

Das wollen wir ja nicht verhindern, wir werden dem Recruiter nur seinen Job wesentlich vereinfachen. Heute muss er sich viele Gedanken machen, wo er mit welchem Budget Stellenanzeigen schaltet, Personal-Marketing betreibt oder teure Headhunter oder Social-Media-Recruiter beauftragt. Und dann bekommt er unter Umständen viele Bewerbungen, die gar nicht zu dem Profil passen oder nicht den Anforderungen entsprechen. Er muss sich aber alle anschauen, durchlesen, absagen, etc. – das ist eine Menge Arbeit. Bei SiiWii gibt er einmal seine Suche ein und bekommt kurzfristig ein Ranking der besten Kandidaten. Er muss sich also nur noch mit wenigen, aber sehr gut passenden Lebensläufen auseinander setzen und kann sich genau auf diese konzentrieren. Und er hat mehr Zeit, sich auf Bewerbergespräche vorzubereiten und sich mit dem Menschen zu beschäftigen.

Sie starten als Recruiting-Spezialist für das Gesundheitswesen. Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie in der Branche?

Einen der größten Personalengpässe in der deutschen Wirtschaft. Aber komischerweise liest man in allen Publikationen nur über Hightech-Berufe, Hochschulabsolventen und Spezialisten. Dass wir aber gerade im Bereich der Pflege oder Gesundheit massive Probleme bekommen werden, scheinen viele entweder zu ignorieren oder sie wissen es einfach nicht. Es ist leider viel „hipper“ über die

Im Gespräch mit Thomas Eggert, Gründer von SiiWii

zu schreiben und das obwohl in Deutschland „nur“ 850.000 Menschen in IT-Berufen tätig sind, aber 4.800.000 im Gesundheitswesen. Ich verstehe bis heute nicht, warum das Thema der Digitalisierung der Arbeit so hoch gepusht wird – wie soll das in der Pflege funktionieren? Aber es ist ein „cooles“ Thema. Alle Berater und selbsternannten Vertreter oder Sprachrohre der Generation Y und Z fühlen sich aufgerufen, darüber zu schreiben. Da gibt es ganze Bücher darüber, wie Arbeitgeber die Generation Y in der Metallindustrie behandeln sollten. Schon interessant, womit man heute Kompetenz beweisen und sein Geld verdienen kann! Das sind dann meistens Menschen, die noch nie eine Personalabteilung von innen gesehen haben.

Wir kennen das Personalgeschäft selbst aus langjähriger Erfahrung und uns liegen die konkreten und täglichen  Probleme der Recruiter am Herzen. Wir hoffen, gerade dieser wichtigen Branche mit SiiWii als erstes zum richtigen Personal zu vernünftigen Kosten zu verhelfen.

Wie soll es dann mit SiiWii im Lauf des Jahres weitergehen?

Nach dem Start der Plattform werden wir sehr schnell in weitere Branchen gehen. Schließlich betrifft die Entwicklung des Arbeitsmarktes alle Unternehmen und Unternehmensbereiche. Und wie es dann weitergeht, wird uns die Zukunft zeigen. Wir haben noch viele Ideen, sowohl den SiiWiis als auch den Unternehmen Mehrwertdienste anzubieten, die ihnen ein noch besseres Recruiting ermöglichen – SiiWii ist erst am Anfang!

 

Über Thomas Eggert

Eggert_onlineSchon seit fast 30 Jahren beschäftigt sich Thomas Eggert mit dem Thema Personalarbeit, ob zuerst als Personalmanager oder später als Partner von HR. Sein Fokus gilt vor allem dem operativen Personalmanagement, das neben Themen wie Recruiting oder Personalentwicklung die Basis des Personalgeschäfts absichert. Zudem ist ihm die Effizienz in modernen Personalabteilungen wichtig. Thomas Eggert ist Geschäftsführer der BEGIS GmbH und in den verschiedensten Gremien tätig – wie etwa im Messebeirat der Zukunft Personal. Nun gründet er mit SiiWii ein neues Unternehmen für den Recruitingmarkt.

Schauen Sie am Stand von SiiWii vorbei: Messe Stuttgart, Halle 6, Stand K.36-I, 10. und 11. Mai 2016

 

 

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