puzzle-1152793_960_720_pixabay

Foto: pixabay.com

Die deutsche Gesellschaft diskutiert den Zustrom von Flüchtlingen sehr kontrovers, teilweise schlagen die Wellen hoch. Da ist es geradezu wohltuend, dass die Unternehmen das Thema wesentlich unaufgeregter betrachten. Diesen Eindruck vermittelt unsere Umfrage unter 354 Entscheidern aus Unternehmen, die Hays gemeinsam mit dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) anging. Das Gute dabei: Auf der Achse von Risiko und Chance neigt sich ihre Einschätzung mehr in Richtung Chance. Im Gegensatz zu breiten Teilen der Bevölkerung sind Unternehmen also offen, Flüchtlinge in ihre Organisation zu integrieren.

Fast jedes fünfte Unternehmen tut dies bereits und immerhin sechs von zehn können sich dies vorstellen. Nur der Rest sieht keine Möglichkeiten in der eigenen Organisation. Arbeitgeber rekrutieren die Flüchtlinge aktuell vor allem über die Agentur für Arbeit oder über private Initiativen. Diverse Start-ups, die aktuell in dem Umfeld entstehen, spielen dabei noch keine große Rolle.

Arbeitgeber – und dies überrascht nicht – setzen Flüchtlinge in der breiten Mehrheit nicht für anspruchsvolle Aufgaben ein. Das tut nur in etwa jeder zehnte Betrieb. Der Alltag sieht so aus, dass Unternehmen auf einem niedrigen Niveau helfen und unterstützen, indem sie die Neuankömmlinge mehrheitlich mit Hilfstätigkeiten betrauen.

Aus meiner Sicht hat das vor allem drei Gründe: Zum einen ist das Ausbildungsniveau der Flüchtlinge nicht so hoch, dass sie gleich sehr qualifizierte Arbeit leisten könnten. Zum anderen sprechen die meisten nicht die deutsche Sprache. Und zuletzt blockiert sie natürlich ihre zum Teil ungewisse rechtliche Situation. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die meisten Unternehmen Flüchtlinge als Praktikanten (49 Prozent) oder befristet (44 Prozent) einsetzen. Dies jedoch mit mehrheitlich positiver Resonanz – nur sechs Prozent der Befragten sprechen von negativen Erfahrungen. Wie so oft hilft gerade der direkte Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, Klischees und Ängste abzubauen. Trotzdem gibt es Ängste, aber meist auf einer anderen Ebene: Dreiviertel der befragten Manager befürchten, dass ihre Angestellten Angst vor der Konkurrenz um Arbeitsplätze im niedrig qualifizierten Bereich haben könnten. Bekanntlich bewegt hier viele die Sorge des sozialen Abstiegs.

Wer aber glaubt, die Unternehmenstüren stünden weit offen, täuscht sich. Arbeitgeber wissen sehr genau, was eine Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt blockiert. Zuallererst ist da natürlich die Sprachbarriere, die übrigens auch der Hauptgrund ist, weshalb die befragten Unternehmen derzeit keine Flüchtlinge beschäftigen. Hinzu kommen die kulturellen Barrieren als zweiter Stolperstein. Die Unsicherheit darüber, wie lange die Flüchtlinge verfügbar sind, ist eine weitere zentrale Integrationshürde. Hier lauten die Lösungen für die Befragten vor allem: öffentlich geförderte Angebote für eine sprachliche Weiterbildung (90 Prozent) und vereinfachte Abläufe bei der Beschäftigung von Flüchtlingen (60 Prozent).

Halten wir also fest: Unternehmen sind grundsätzlich offen und bereit, Flüchtlinge in ihre Betriebe zu integrieren. Damit dies aber flächendeckender geschieht, sind nicht nur private Bildungseinrichtungen, sondern vor allem öffentliche und staatliche Institutionen gefragt, massiv und langfristig in die sprachliche Schulung und kulturelle Bildung zu investieren. Sonst – so vermittelt die Umfrage – werden Flüchtlinge vielleicht an der einen oder anderen Stelle gut integriert, aber nicht im großen Stil. Ob die Flüchtlinge unseren Fachkräftemangel mittel- und langfristig lösen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Dazu muss noch viel mehr analysiert und bewertet werden, wie es mit ihrer Qualifikation wirklich aussieht.

 

schabel_frank_online

Foto: Frank Schabel

Veranstaltungstipp:

Vortrag und Diskussion mit Frank Schabel, Head of Marketing/Corporate Communities, Hays AG
Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt – Ergebnisse einer Umfrage von IBE und Hays AG
Dienstag, 10. Mai 2016, 11 Uhr
PERSONAL2016 Süd, Integration Area

Mehr über Frank Schabel erfahren Sie in seinem Blog.

 


Zum Hintergrund der Studie:

An der Online-Umfrage von IBE und Hays nahmen im Februar 2016 354 Personen teil, die breite Mehrheit davon waren Führungskräfte. Das Gros der Teilnehmer stammt aus Dienstleistungsunternehmen (57 Prozent), 24 Prozent kommen aus der Industrie, gefolgt von 19 Prozent aus dem öffentlichen Sektor. 60 Prozent der Teilnehmer gehören Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern an, 30 Prozent arbeiten bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone