Was gibt uns unsere Arbeit – Erfüllung oder (nur) ein Auskommen? Sind wir mit Liebe und Leidenschaft bei der Sache – so sehr, dass wir selbst während der Feiertage erreichbar bleiben? Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ist das bei rund drei Vierteln der Beschäftigten der Fall. Ist bei jemandem, der sich auf das Wochenende freut, schon etwas faul? Mit „Warum man für seinen Job nicht brennen muss“ hat Volker Kitz die Tage wieder einen Coup im Netz gelandet. Im KarriereSPIEGEL zog sein jüngster Beitrag bis dato 194 Kommentare nach sich – eine spannende Lektüre zum Jahresausklang.

Die Frage, was Arbeit für uns bedeutet und welchen Zweck beziehungsweise Sinn sie hat, trifft naturgemäß einen Nerv. Das belegen auch die vielen kontroversen Einträge. Dem Zeitgeist entspricht es, sich mit seiner Tätigkeit zu identifizieren, in seinem Beruf aufzugehen: Verwirkliche dich selbst, lebe deinen Traum! Wer bei der Arbeit kein Glück empfindet, ist ein armer Tor, der sich schnellstens eine neue Aufgabe suchen sollte. Beispiele dafür gibt es viele: Geschichten von Menschen, die sich von ihrem Job lossagen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen, finden sich in zahlreichen Blogs und Gazetten. Und die geborenen Sinnsucher der Gen Y kennen hier erst recht kein Pardon – für unbefriedigende Tätigkeiten sind die jungen Leute angeblich nicht zu haben.

„Wenn die Surfschule dein Glück ist, worauf wartest du?“

„Erfüllung kann das Leben in vielen Bereichen bieten, zum Beispiel durch Freunde, Familie, Freizeit. Für die Arbeit gibt es Geld. Das ist der Normalfall, und kein Leben läuft schief, wenn es so läuft“, schreibt Volker Kitz. Ja, diese Sätze können erleichtern. Jeder darf, wohlgemerkt, größtes Glück und den schönsten Flow bei der Arbeit empfinden. Aber diejenigen, die bewusst „Zeit gegen Geld tauschen“ haben ihr Dasein auch nicht verfehlt – und sind zudem nicht unbedingt die schlechteren Arbeiter.

Volker Kitz‘ Beitrag enthält auch eine Direktbotschaft an die Personaler: „Wer seinen Mitarbeitern diese Wahrheit sagt, statt ihnen von Leidenschaft vorzufaseln, wird sie überraschen und ihren Respekt gewinnen. Was einfach klingt, wäre ein revolutionärer Schritt in der Personalführung. In der Psychologie nennt man das eine paradoxe Intervention […]. Mitarbeiter werden zufriedener und leistungsbereiter zur Arbeit kommen. Menschen motiviert man mit Ehrlichkeit, nicht mit Floskeln.“

Aufruf zur Enttarnung der Leidenschaftslüge

Hier spricht der Psychologe. Liegt er richtig? Es lohnt sich, die vielen Kommentare zu lesen, die in ihrer Summe die Befindlichkeit der arbeitenden Bevölkerung spiegeln. Im Kern geht es dabei letztlich immer um eins: das Verhältnis von Geben und Nehmen. Ist es in Balance? Wer sich (gefühlt) ständig verausgabt und wenig zurückbekommt (wie Ruthes Weihnachtsmann), verliert nicht nur die Lust, er riskiert auch seine (psychische) Gesundheit. Was zum Ausgleich in die Waagschale geworfen wird, ist dabei variabel: Neben den Basis-Ressourcen Zeit und Geld gibt es ja noch andere lohnende Dinge: ein tolles Betriebsklima, Respekt, Anerkennung, spannende Events, Horizonterweiterungen…

Geben und Nehmen – das ist (elegant oder vorhersehbar platt übergeleitet) auch der Kerngedanke zu Weihnachten. Wer noch keine Präsente besorgt hat, kann seinen Liebsten dennoch etwas sehr Kostbares schenken: seine Zeit und (beruflich) ungeteilte Aufmerksamkeit. In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern ein schönes, ausgeglichenes Fest. Dafür gönnen wir uns und Ihnen von Herzen eine Atempause: Mit diesem Blogpost verabschieden wir uns für 2015. In der zweiten Kalenderwoche des Neuen Jahres geht es dann froh und munter weiter mit dem Zukunft Personal Blog.

Wir bedanken uns bei allen Lesern, Interessenten und Mitspielern für den erfreulichen Respons auf unseren neuen Blog. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

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