Cover_Ullah

Heute erscheint mein neues Buch “Erfolgsfaktor Candidate Experience”, das ich in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Maité Ullah geschrieben habe. Was ist der Hintergrund? Es ist ein gutes Jahr her, dass Star-Blogger Jo Diercks das Jahr des Kandidaten ausgerufen hat. Seine damalige Blogger Challenge wurde bis heute 29 Mal aufgegriffen (die Links zu diesen Beiträgen finden Sie hier auf dem Recrutainment Blog). Das Thema hat also zumindest innerhalb der Bloggerszene Anklang gefunden. Viele der Beiträge wurden mehrfach kommentiert, so dass man beinahe meinen könnte, dass auch größere Teile der HR-Szene das Thema erkannt haben. Aber wie so oft liegen zwischen Erkennen und Verstehen Welten.

Unser Buch beschäftigt sich mit der Kandidatenperspektive. „Wie stellt sich die Situation aus Sicht der Kandidaten dar?“, war unsere Kernfrage. Dazu haben wir zehn Kandidaten befragt und erstaunliche Insights erhalten. Zum einen glaubt man gar nicht, welch haarsträubende Dinge sie zu berichten wissen. Zum anderen fragt man sich, warum sich das Thema dank logischen Menschenverstandes nicht in Luft auflöst.

Wenn man sich ganz nüchtern die Prozesse anschaut, findet man meist keinen Grund, warum das eine oder andere regelmäßig derart schiefgehen sollte. Zugegeben, Unternehmensprozesse sind sehr häufig „kandidaten-unfreundlich“. Aber langsame Prozesse – das ist im Grunde Standard. Mehr als unpraktische Bewerbungsformulare ebenfalls. Aber wen wundert‘s : Die Prozesse werden in neun von zehn Fällen lediglich in Bezug auf das Unternehmen optimiert. Die Kandidaten werden nur selten und dann auch nur rudimentär berücksichtigt. Die Karriereseite Kandidaten freundlich zu gestalten, ist die Spitze des Eisbergs.

In unserem Buch kommt sehr deutlich heraus, dass vor allem die Interaktion mit dem Bewerber zu wünschen übrig lässt. Arbeitgeber erbringen oft noch nicht einmal das Minimum nach dem Motto „Wir als Unternehmen verhalten uns so, wie wir es auch vom Kandidaten erwarten“. Und interessanter Weise werden nur selten kulturelle Einblicke in das Unternehmen gewährt. Dabei wäre das doch das Verkaufsargument No 1.

Blicken wir nun einmal auf den Titel des Beitrags: Candidate Experience – Customer Experience – where is the difference? Gibt es einen Unterschied? Vielleicht sagt der eine oder andere: So wie dieser Beitrag geschrieben ist, kann es da doch nun eigentlich keinen Unterschied mehr geben.

Doch, es gibt ihn. Denn während das Marketing bzw. der Vertrieb alles daran setzen, diese Experience zu ergründen und zu optimieren, sieht HR das Thema eher als lästiges Übel und Kostentreiber an. Ich muss mir dabei auch an meine eigene Nase fassen. HR ist noch keine Organisation, die vertrieblich denkt. Dabei bieten wir unzählige Services an und das nicht nur in Richtung der Kandidaten im Recruiting.

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, die Geschichten der Kandidaten haben mich schockiert. Vielleicht muss man ein wenig Subjektivität abziehen, aber die Tatsache, dass fast alle Befragten auch positive Bewerbungserlebnisse hatten, ließ mich vermuten, dass sie die Prozesse ein wenig einschätzen konnten. Absichtlich haben wir willkürlich zehn verschiedene Kandidaten ausgewählt mit unterschiedlichsten Hintergründen, aus diversen Branchen und verschiedenen Hierarchieebenen. Das Bild war bei all diese Kandidaten sehr ähnlich.

Mal sehen, was Sie sagen, wenn Sie die Geschichten lesen. Über ein Feedback oder Anmerkungen freue ich mich.

PS Nach dem Thementag „Candidate Experience“ auf der Zukunft Personal rundet nun eine schöne Veranstaltung das Jahr des Kandidaten ab: die erste Candidate Experience Tagung am 8. Dezember in Berlin. Das Thema soll damit nicht ad acta gelegt werden. Aber zum Jahresabschluss nochmals die Candidate Experience pointiert zu betrachten, halte ich für eine gute Idee.

Über den Autor

Robin KickAls studierter Wirtschaftsmathematiker hat Robindro Ullah das Personalmanagement erst 2007 für sich entdeckt. 2005 bei der DB Fernverkehr AG als Trainee eingestiegen, baute er ab 2008 das Thema Social Media im Kontext HR bei der DB auf. Im Anschluss leitete er eine Abteilung der Tochter DB Services, die sich mit der Beschäftigungssicherung der Mitarbeiter über innovative neue Wege auseinandersetzte. In der Position als Leiter Personalmarketing und Recruiting Süd war Social Media ein essentieller Baustein seiner Arbeit. Von 2013 bis 2015 war Robindro Ullah Head of Employer Branding und HR Communication Global bei VOITH. Heute ist er Moderator, Referent und Buchautor und verantwortet die Bereiche Employer Branding Operations und Recruiting bei der Deutschen Employer Branding Akademie.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone