Future-HR

Quelle: Zukunftsagenten

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, sagte Karl Valentin. So sind sich viele Experten einig, dass die Arbeitswelt und das Personalmanagement der Zukunft ganz anders aussehen werden. Doch wie genau? Das vermag niemand seriös vorherzusagen. Gleichwohl gibt es spannende Seismographen in der HR-Szene. Dazu gehören auch Start-ups, die die Umwälzungen in der Arbeitswelt als Chance für neue Geschäftsmodelle erkannt haben. Auf der Zukunft Personal bekommen sie im Start-up Village HR eine eigene Ausstellungsfläche. Das Spannende daran: Recruiting und Matching, Software für Talentmanagement und Weiterbildung, Betriebliches Gesundheitsmanagement – es sind wirklich alle HR-Themen vertreten. Als Beispiel stellen wir Ihnen heute ein Start-up genauer vor, das das Thema „arbeiten 4.0“ in all seiner Komplexität in Angriff nimmt: Die Zukunftsagenten. Es geht um nichts weniger, als darum, die Workforce von morgen zu planen.

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Foto: Eike Krull, Schott AG

Beispiel Schott AG, Standort Jena: „Eine unser größten Herausforderungen ist aktuell die Überalterung des Personals in der Produktion. Viele Mitarbeiter sind zwischen 50 und 60 Jahre alt und werden demnächst in Rente gehen. Die jüngeren Leute wollen aber nicht mehr unbedingt in vollkontinuierlicher Schicht arbeiten“, erklärt Eike Krull, Leiter Personal der Schott AG, einem der weltgrößten Produzenten von technischen Gläsern und Glasartikeln. 24 Stunden an 365 Tagen läuft beispielweise der Schmelzofen, denn es wäre viel zu teuer, diesen abzustellen. Rund um die Uhr müssen also Mitarbeiter mit einem hohen Know-how und Spezialwissen am Werk sein. Schon heute sind diese Fachkräfte nicht so leicht zu finden, im „München des Ostens“: In Jena sind unter anderem viele Industrie- und Medizintechnik-Betriebe ansässig, so dass niemand lange arbeitslos bleibt.

Neben dem Arbeitsmarkt und dem demografischen Wandel beschäftigt Schott das neue Mindset der jüngeren Generation: „Wir können nicht einfach die Stellen der Mitarbeiter, die in Rente gehen, 1:1 mit jungen Mitarbeitern oder einem ausgelernten Azubi nachbesetzen“, so Eike Krull. „Die aktuellen Mitarbeiter möchten gern in Schicht – auch in Nachtschicht oder an Feiertagen – arbeiten, weil sie da mehr Zuschüsse bekommen. Aber bei den Jüngeren ist das anders. Viele Azubis, die bei uns eine Ausbildung machen, bleiben danach nur kurz im Unternehmen und wechseln dann in Betriebe, wo sie ausschließlich in Tagschicht arbeiten. Das Geld spielt dabei häufig keine so große Rolle.“

Wie muss also der zukünftige Arbeitsplatz in der Produktion aussehen, damit er für den Nachwuchs attraktiv ist? Wie müssten die Tätigkeiten, die Arbeitszeit und die Flexibilität gestaltet sein? Und wie sollte man diese neuen Stellen benennen?

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Foto: Judith Klups, Zukunftsagenten

Hier kommen nun die Zukunftsagenten ins Spiel: Sie helfen der Schott AG dabei, sich diesen Herausforderungen frühzeitig zu stellen. Dabei setzen die Future Work Strategen den Hebel an mehreren Stellen an, wie Judith Klups, Partner der Zukunftsagenten berichtet: „Wir haben mit Workforce Evolution eine Cloudlösung entwickelt, die nicht für sich allein steht. Wir von den Zukunftsagenten unterstützen mit unserem Zukunftswissen, weil wir möchten, dass die Umsetzung dann auch funktioniert. Dafür involvieren wir Führung, Organisationsstruktur und HR.“

Die Psychologin Judith Klups, die lange selbst als Personalerin tätig war, verweist auf die Grundidee, die sie zusammen mit ihrem Mann Markus Klups, dem geschäftsführenden Gesellschafter, bei der Gründung angetrieben hat: „Im Zuge von Digitalisierung, demografischem Wandel, Individualisierung und Flexibilisierung ist etwas Neues im Gange. Es sind sehr viele Themen, die einem im Moment in Sachen Zukunft von HR um die Ohren fliegen. Wir wissen zwar alle nicht, wie die Zukunft aussehen wird, aber wir sind mitten im Wandel. Mit unserem Tool wollen wir Mut machen und zeigen, dass man trotz aller Ungewissheit planungsfähig ist. Blinder Aktionismus ist keine Lösung, ebenso wenig hilft es, bei jedem Trend einfach aufzuspringen.

Um ihre Vision umzusetzen, starten die Zukunftsagenten mit der Unternehmensstrategie der Kunden und brechen diese anhand ihres Tools Workforce Evolution herunter auf die Personalplanung: Wie groß muss die Workforce sein? Welche Arbeitsmodelle sind passend und wie flexibel müssen diese sein – zeitlich und räumlich? Welche Fähigkeiten braucht das Unternehmen in Zukunft viel stärker? Wie muss der Arbeitsplatz gestaltet sein? Um die Trends möglichst individuell für die Unternehmenssituation zu berücksichtigen, holt sich das Start-up verschiedene Experten dazu – zum Beispiel beim Thema Future Workspace. Dafür ist ein Architekt mit an Bord. Zudem arbeiten die Zukunftsagenten eng mit dem Fraunhofer Institut zusammen, um mit Kunden alternative Büromöbel der Zukunft zu entwickeln. Hinzu kommen ein IT-Berater, Betriebswirte und Psychologen, die individuell beraten können.

Workforce-Evolution

Quelle: Zukunftsagenten

Ob Großunternehmen oder KMU, die Antworten sind immer unternehmensbezogen: „Wir haben die Konzepte wirklich noch nicht in der Schublade. Im Moment laufen zum Beispiel einige Projekte mit der Fragestellung, warum sich keine Vertriebler mehr finden. Da passt irgendetwas nicht zusammen. Das Unternehmen muss sich erst einmal über ein paar Fragen klar werden: Was heißt Vertrieb überhaupt für uns? Welchen Typ Vertriebler möchten wir haben – einen Netzwerker oder jemand, der 40 Calls am Tag macht?“, so die Zukunftsagentin Klups. Laut der HR-Expertin zeigt sich an solchen Beispielen, wo ein Unternehmen insgesamt hinwill. Da stellt sich beispielsweise auch heraus, ob eine starre Linienorganisation, klassische Hierarchie oder starre Anwesenheitspflicht noch zu den Unternehmenszielen passen. Dabei entsteht eine Art Metabild der zukünftigen Workforce, die in sogenannte „Future Families“ geclustert ist.

Während die Zukunftsagenten in diesem Prozess am Anfang stark unterstützen, soll HR zunehmend den strategischen Planungsprozess selbst übernehmen. Es geht also um einen Entwicklungsprozess der Anwender. „Wir müssen in HR zukünftig viel flexibler sein. Natürlich hat das seine Grenzen, denn das schafft auch Unruhe und wir müssen die Prozesse auch abbilden. Aber gewisse Kernthemen muss man immer wieder anschauen“, ist Eike Krull von der Schott AG überzeugt. Vielleicht wird zukünftig also auch der Personalbereich mit ganz neuen Jobfamilien bestückt? Die Zukunftsagenten wirken auch hier mit: Gemeinsam mit der IHK bieten sie ab März 2016 einen Ausbildungsgang zum „Future Work Manager“ an. Es wird also spannend, was aus dieser Gründerschmiede noch alles zu hören sein wird.

Treffen Sie die Zukunftsagenten auf der Messe Zukunft Personal: Stand W.55, Halle 2.1

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