Zukunft Personal Blog

Der offizielle Blog von Europas führenden Expos, Events & Conferences für die Welt der Arbeit

Zutaten für die digital vernetzte Arbeitswelt

Arbeiten-4.0

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Das Top-Thema „arbeiten 4.0“ der Messe Zukunft Personal zeigt, wie Personalverantwortliche den digitalen Wandel gestalten können.

Wir erleben derzeit einen epochalen Umbruch der Wirtschaft. Was im 18. Jahrhundert die Einführung der Dampfmaschine (Arbeiten 1.0), im 19. Jahrhundert die Anfänge von Massenproduktion und Wohlfahrtsstaat (Arbeiten 2.0) und ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Trends wie die Automatisierung und Globalisierung (Arbeiten 3.0) waren, ist heute die digitale Vernetzung.

Gewohnte Geschäftspraktiken und eingespielte Arbeitsabläufe stoßen dabei immer häufiger an ihre Grenzen. Die Arbeitswelt im Sinne von Arbeiten 4.0 muss sich erst noch neu finden.

„Die digitale Transformation hat massive Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir arbeiten: Disruptive und ganz neue Geschäftsmodelle sowie mobiles, vernetztes Arbeiten führen in einer bisher noch nicht erlebten Geschwindigkeit zu massiven Veränderungen am Arbeitsplatz“, erklärt Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management, dem Veranstalter der Zukunft Personal. Diese neue Dimension reflektiert Europas größte Messe für Human Resources (HR) mit dem Motto „arbeiten 4.0 – Personalmanagement im digitalen Wandel“. Neue Formen der Zusammenarbeit, der Vernetzung, des gesunden Einklangs von Arbeit und Freizeit sowie des Kompetenzerwerbs stehen dabei auf der Agenda.

Bundesministerin Andrea Nahles spricht zu „Arbeiten 4.0“

„Als eine der führenden Industrienationen haben wir in Deutschland die Verantwortung, das Beste aus der Digitalisierung zu machen und mit einem vorbildlichen Personalmanagement gute Arbeitsbedingungen für alle zu gestalten“, ist Ralf Hocke, Geschäftsführer von spring Messe Management, dem Veranstalter der Zukunft Personal, überzeugt. Vor diesem Hintergrund ist es ein Glücksfall für die „HR-Szene“, dass inzwischen die Politik das Thema aufgegriffen hat.

„Die Revolution des Digitalen erfordert eine behutsame Evolution des Sozialen“, betont die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles im Grünbuch „Arbeiten 4.0 – Arbeit weiter denken“, das auf der Auftaktveranstaltung eines Dialogprozesses zu dem Thema im April 2015 in Berlin vorgestellt wurde. Arbeit sei die zentrale Schnittstelle der Veränderung in Zeiten der digitalen Transformation. Neue Ansprüche an die Organisation der Arbeit müssten in einen kulturellen Wandel eingebunden werden. In einer Rede mit dem Titel „Arbeiten 4.0: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt“ steuert Andrea Nahles auf der Messe in Köln ihre konkreten Ideen dazu bei.

Deregulierung oder Praxisbezug statt Dogmatik?

Der Vorstoß der Ministerin ruft zunächst die Arbeitsrechtler auf den Plan: Sie beschäftigt die Frage, wie praxistauglich im Zuge von Arbeiten 4.0 aktuelle Regelungen und Gesetze noch sind. „Dass ein Grünbuch nicht genügt, sondern das Arbeitsrecht auch über Deregulierung angepasst werden muss, haben wir vom Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) bereits gefordert“, sagte BVAU-Präsident Alexander R. Zumkeller kürzlich in einem Artikel auf Haufe online. Der neuen Generation werde „Work Life Balance“ so wichtig sein, dass sie Dauer und Lage der Arbeitszeit selbst bestimme. Der Haken an der Sache: Starre Arbeitszeitgesetze passen dazu nicht mehr. „Sich selbstbestimmt einen Tag oder eine Woche einzurichten, den Ablauf von Wetter, Freunden, Kindern abhängig zu gestalten – das kollidiert mit einer elfstündigen Ruhezeit oder einem Sonntagsarbeitsverbot.“

Sattelberger: „Technologische und soziale Innovation sind Zwillinge“

Sattelberger_Thomas

Foto: Thomas Sattelberger,
© Zukunft Personal/Franz Pfluegl

Neben einer Podiumsdiskussionen zur arbeitsrechtlichen Komponente von „arbeiten 4.0“ (Dienstag, 15. September, 10.15 Uhr, „Arbeit 4.0 und das Arbeitsrecht“) bietet die Zukunft Personal gemeinsam mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) aus dem Hause des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales weitere Denkanstöße. Im umfassenden Programm der Messe ist unter anderem Vordenker Thomas Sattelberger mit von der Partie, der als Themenbotschafter Führung der INQA die Ära der Digitalisierung wortgewaltig wie gewohnt begleitet: „Genauso wie sich Geschäftsmodelle – teilweise disruptiv – transformieren, so hat sich Arbeitskultur, Führung und damit HR zu transformieren. Historisch wie im Kontext der digitalen Revolution gilt: Technologische und soziale Innovation sind Zwillinge.“ Mit seinem Beitrag auf der HR-Leitmesse in Köln legt er das Augenmerk auf den Aspekt Führung: „Zentralistische Ansätze zwischen Mikromanagement und Kontrolle haben als Führungsinstrument ausgedient“, so Sattelberger. Anstelle straffer Hierarchien treten den Beobachtungen des ehemaligen Personalvorstands zufolge Prinzipien wie Dezentralisierung von Verantwortung, Souveränität und Selbstmanagement in den Vordergrund.

HR als Innovationsförderer?

Eine Organisationskultur, die Führungskräfte und Mitarbeiter dazu ermuntert, mitunternehmerisch zu handeln, befürwortet auch Prof. Dr. phil. Peter Kels, Professor für Führung, Organisation und Personal an der Hochschule Luzern. Er setzt den Schwerpunkt auf eine innovationsförderliche Rolle von HR, denn in Zeiten eines beschleunigten, über Technologien, Innovation und Wissen ausgetragenen globalen Wettbewerbs müssten sich Unternehmen über kontinuierliche Innovationserfolge am Markt behaupten. „Hierzu benötigen sie nicht nur vertiefte Branchen- und Technologiekompetenz, sondern auch die Fähigkeit, verfügbare Innovationspotenziale fortlaufend zu aktivieren, zu nutzen und zu erneuern“, meint Kels.

Arbeitswelt 4.0 – Mensch oder Maschine auf dem Vormarsch?

In der Produktion entstehen durch den digitalen Wandel besonders viele Herausforderungen. Mit der Digitalisierung der Fabriken, Stichwort Internet der Dinge und Industrie 4.0, verändern sich die Fertigungsprozesse. „Maschinen kommunizieren mit Maschinen, die Produktion steuert sich quasi selbst, das Entstehen von Produkten steuert die Software“, so Dr. Rupert Felder, Personalleiter der Heidelberger Druckmaschinen AG. „Der Mensch muss seine Rolle in dieser künftigen ‚Fertigung 4.0‘ neu definieren.“ Das habe Auswirkungen auf HR, insbesondere bei Ausbildung, Qualifizierung und Mitbestimmung.

Sind Personaler Getriebene oder Gestalter des Umbruchs?

All diese Zutaten der neuen Arbeitswelt 4.0 sind ein Anfang. Letztlich werden neue Ansätze im Personalmanagement zeigen, ob die führenden Akteure in Unternehmen dem digitalen Wandel als Getriebene oder als Gestalter beiwohnen. Denn die Frage ist schließlich auch: Führen neue Arbeitsbedingungen zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung am Arbeitsplatz oder droht uns eine Diktatur der Technik? Nicht nur der Gesetzgeber, sondern auch Führungskräfte und Personalmanager sind gefordert, die Arbeitswelt von morgen menschlich und gleichzeitig gewinnbringend für ihre Organisationen zu gestalten. Die Zukunft Personal 2015 liefert mit ihrem Messemotto „arbeiten 4.0“ eine Plattform für Diskussionen und neue Impulse.

Programm-Highlights:

„Arbeiten 4.0: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt“
Rede von Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles
Donnerstag, 17. September 2015, 10 Uhr

„Ära der Digitalisierung: Müssen sich Führung und Personalarbeit neu erfinden?“
Thomas Sattelberger, Themenbotschafter der Initiative Neue Qualität der Arbeit
Mittwoch, 16. September 2015, 10.15 Uhr

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*